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Kommentar Unsoziale Leiharbeit

Die Regierung muss handeln, weil mit der völligen Arbeitnehmerfreizügigkeit in der Europäischen Union ein Lohndumping in neuer Dimension droht.

Markus Sievers

Der Arbeitsmarkt in Deutschland läuft so gut, dass auch die Schattenseiten aus der Zeit vor der Krise wieder in aller Schärfe hervortreten. Dies gilt besonders für die Leiharbeit, die wieder, schon wieder zum Massenphänomen wird und sich schneller ausbreitet als alle anderen Beschäftigungsformen.

Im Abschwung waren die Zeitarbeiter die Ersten, die gehen mussten. Nun fahren die Unternehmen die Zahlen erneut hoch, weil das billig und bequem für sie ist. Schließlich werden sie diese Menschen schnell und kostengünstig wieder los. Dass dies mehr ist als ein Vorurteil, hat gerade erst die Krise eindrucksvoll demonstriert.

Der Boom der Leiharbeit birgt sozialpolitischen Sprengstoff, weil sich diese Beschäftigungsverhältnisse von ihrem eigentlichen Sinn immer mehr entfernen. Die Wirtschaft braucht Flexibilität in der Personalplanung, um auf kurzfristige Ausfälle etwa durch Krankheiten und Schwankungen im Geschäft reagieren zu können. Damit aber hat die Leiharbeit in der Praxis nur noch am Rande zu tun. Überwiegend dient sie dazu, den Kündigungsschutz zu unterlaufen und Löhne zu drücken.

Die Regierung muss allein deshalb handeln, weil mit der völligen Arbeitnehmerfreizügigkeit in der Europäischen Union ein Lohndumping in neuer Dimension droht. Ohne ein Einschreiten der Politik werden in wenigen Monaten polnische oder bulgarische Zeitarbeiter mitten in Deutschland für drei oder vier Euro schuften. Selbst Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt drängt vehement auf einen Branchenmindestlohn, um derartige Auswüchse zu verhindern. Die Koalition sollte seine Warnungen ernst nehmen.

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