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Kommentar Der Wert des Ethikrats

Das gespaltene Votum des Ethikrats zur Präimplantationsdiagnostik spiegelt nur den Widerstreit gesellschaftlicher Positionen wider, das aber auf wünschenswert hohem Niveau.

Joachim Frank, Chefredakteur der Frankfurter Rundschau. Foto: Alex Kraus

Wer ein schwieriges Problem einzig mit „richtig“ oder „falsch“ beantwortet wissen will, der muss Mathematiker fragen, keinen Ethikrat. Dessen gespaltenes Votum zur Gendiagnostik künstlich befruchteter Embryos spiegelt nur den Widerstreit gesellschaftlicher Positionen, dafür aber auf wünschenswert hohem Niveau.

Eingedenk schrill und verkürzt geführter Debatten, ist das schon ein Wert an sich. Doch die Ethik-Koryphäe Jens Spahn (CDU) erklärt den Ethikrat für überflüssig, mangels eines klaren und obendrein des erwünschten Ergebnisses. An solcher Politiker-Hybris überrascht nur, dass sie nach den jüngsten Abwegen eines Ministers auf akademischem Terrain so schnell erneut laut wird.

Weder kann der Ethikrat dem Parlament die Verantwortung für dessen Gesetze abnehmen, noch darf er politische Beschlüsse mit moralischer Autorität scheinlegitimieren. Genau das ist oft der Hintersinn von Gutachterkreisen, bei denen die Besetzung bereits auf das Ergebnis schließen lässt. Der Ethikrat folgt nicht dieser so fein- wie widersinnigen Arithmetik. Er ist plural besetzt. Auch das spricht für ihn.

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