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Kommentar Assange und die Freiheit

Die Festnahme des Wikileaks-Gründers Assange zeigt vor allem eines: Nicht die Regierung in Washington, sondern der kriminalisierte Julian Assange steht heute in einer großen amerikanischen Tradition: des unerschrockenen Kampfes für die Freiheit der Information.

Das Ansehen der USA hat Schaden genommen durch die von Wikileaks gesteuerten Veröffentlichungen vertraulicher Dokumente. Das ist wahr. Es begann im April mit dem obszönen Video der Hinrichtung unbewaffneter Männer in Bagdad. Es endete vorerst mit den offenherzigen Berichten der US-Botschafter.

Größeren Schaden aber nimmt das Ansehen der USA jetzt, da sie versuchen, Wikileaks und deren Kopf Julian Assange mundtot zu machen. Die USA verraten einen ihrer Gründungsmythen: die Freiheit der Information. Sie tun das in einem Moment, da sie erstmals seit dem Kalten Krieg die Herrschaft über die weltweite Information zu verlieren drohen. „Der erste ernsthafte Informationskrieg hat begonnen“, schreibt der US-Bürgerrechtler John-Perry Barlow. „Das Schlachtfeld ist Wikileaks.“

Er hat recht. Mit der Doktrin des „Free Flow of Information“ haben die USA für Jahrzehnte die Informationsflüsse und einen großen Teil ihrer Inhalte dominiert. Sie besagt, dass jedermann das Recht hat, überall und ohne Einschränkung Nachrichten zu sammeln, zu übertragen und zu verbreiten. Das war eine famose Doktrin, solange allein US-Unternehmen die Macht, die Mittel und die Logistik hatten, diese Freiheit zu nutzen.

Das hat sich mit dem Internet schon tendenziell geändert. Julian Assange und Wikileaks aber sind die Ersten, die die Macht des Netzes gegen die USA einsetzen. Deshalb werden sie so gnadenlos verfolgt. Nicht die Regierung in Washington, sondern der kriminalisierte Julian Assange steht heute in einer großen amerikanischen Tradition: des unerschrockenen Kampfes für die Freiheit der Information.

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