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Kommentar Alles andere als ein Märtyrer

Der Fall Thilo Sarrazin wird der SPD unheimlich. Deshalb muss eine Brandmauer her - um Durchgeknallte von Menschenfreunden zu differenzieren.

Thilo Sarrazin (SPD) im Fernsehstudio in Hamburg nach der Sendung "Beckmann".

Der Fall Thilo Sarrazin wird der SPD unheimlich. Das zeigt das vollmundige Lob von Generalsekretärin Andrea Nahles für Heinz Buschkowsky, den Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln. Der SPD-Mann wählt in der Integrationsdebatte seit langem scharfe Worte. Ebenso schneidend aber fällt auch sein Kommentar zum Rauswurf Sarrazins aus dem Bundesbank-Vorstand aus: „Berufsverbot“. Folgerichtig müsste Buschkowksy im Ausschluss Sarrazins aus der SPD ein Denkverbot sehen – ein Urteil, das mehr Parteimitglieder teilen, als es der Zentrale lieb sein kann.

Nahles versucht nun, eine Art Motiv-Brandmauer hochzuziehen. Buschkowsky sei ein Menschenfreund und eben kein „Durchgeknallter“. Solche Unterscheidungen erschweren das Ausschlussverfahren. Sarrazin persönlich herabzusetzen – ob als eitel, geldgierig oder eben als irgendwie irre –, spielt denen die Argumente zu, die in ihm das Opfer einer „Gesinnungsdiktatur“ sehen möchten und ihn als Akt der Gegenwehr sogar zu wählen versprechen, wenn er eine Partei gründete.

Dabei ist das ganze Das-wird-man-ja-wohl-noch-sagen-dürfen-Getrotze ein Popanz: In Wahrheit darf zu Problemen der Integration seit Jahren von allen fast alles gesagt werden – Buschkowsky ist das beste Beispiel. „Märtyrer der Meinungsfreiheit“ wie Sarrazin aber gefallen sich darin, Hassparolen, kaum verhohlenen Rassismus und Vokabeln aus dem Wörterbuch des Unmenschen in ihre Kritik zu mengen. Darauf zielt der stürmische Gegenwind. Die Bundesbank oder die SPD als geistigen Unterstand zu missbrauchen – das in der Tat dürfen sich weder Bankvorstand noch Partei gefallen lassen.

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