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WLAN Es geht auch ohne

Die Modernisierung stockt. Zu Hause ist etwa die Verbindung mit dem Internet ein Glücksspiel. Eine erzwungene Auszeit bringt einen ins Jahr 2000. Unsere Kolumne.

WLAN am Laptop
Zu schnell zu viel auf einmal: Der Informationstechnologie an sich geht die Puste aus. Foto: imago

Ich denke jetzt öfter mal daran, wie es wäre, auf einer einsamen Insel zu leben. Mir geht es dabei weniger um die Einsamkeit als vielmehr um die Tatsache, dass es dort kein WLAN gibt. Oder ist das nur ein Trugschluss?

Ohne WLAN müsste man sich jedenfalls nicht darüber aufregen, dass man mal wieder keinen WLAN-Empfang hat. Oder noch schlimmer, dass man einen schlechten WLAN-Empfang hat. So wie wir zu Hause meistens.

Seit zwei, drei Jahren haben wir Internet-Fernsehen. Das bedeutet: Unendliche Möglichkeiten – aber nur theoretisch. Wir haben eine Milliarde Fernsehprogramme, die meisten davon in HD, hinzu kommen abonnierte Streaming-Dienste und diverse hinzugebuchte Sportsender – aber es ist jeden Tag aufs Neue unklar, ob wir einen davon in halbwegs akzeptabler Qualität empfangen können. Oder überhaupt. Der Grund dafür ist unklar.

Unser Telefonanbieter hat mehrere halbherzige Versuche gemacht, die Lage zu verbessern. Ohne Erfolg. Da jede Maßnahme bisher vergeblich war, kommen sie uns jetzt mit Tipps auf unserem technischen Niveau entgegen: „Haben Sie schon mal den Stecker gezogen?“

Die Hoffnung, die man hegt, wenn das System dann ganz langsam wieder hochfährt, gleicht der des Sisyphos kurz bevor ihm der Stein wieder entgleitet. Ich weiß, der Vergleich ist vermessen, denn während es bei Sisyphos ums Existenzielle geht, entgleitet uns lediglich die Hoheit über das eigene Infotainment. Das aber täglich.

Es braucht eine Weile bis man lernt, die Aggressionen über die wankelmütige Technik in den Griff zu bekommen. Aber dann ist einem klar: Man verpasst überhaupt nichts, wenn man kein Fernsehen hat.

Die Nachrichten wurden einem ja auf dem Heimweg schon vom U-Bahn-Fernsehen entgegengeschrieen. Wer sie eingeordnet haben möchte, liest Zeitung und für die Unterhaltung gibt’s Kino.

Trotzdem macht das Ganze nachdenklich. Ich meine, man hört das doch überall: Der technische Fortschritt steigert sich exponenziell. Das heißt, es geht nicht mehr stetig voran, sondern schneller, immer schneller. Und ich frage mich jetzt ernsthaft, wer hier mit wem nicht mithalten kann.

Kommen Sie mir jetzt nicht mit dem menschlichen Makel und damit, dass man im Alter die Knöpfe der Fernbedienung halt nur noch schemenhaft wahrnimmt und deshalb abgehängt wird – wir haben halbwüchsige Kinder, die noch für jedes Problem ein Youtube-Tutorial gefunden haben.

Nein, ich glaube wirklich, dass es die Informationstechnologie an sich ist, der die Puste ausgeht. Zu schnell zu viel auf einmal. Stellen Sie sich eine Welt ohne Smartphones, Facebook, Twitter, Skype, Wikipedia oder Netflix vor – dann landen Sie im Jahr 2000. Das alles ist keine zwei Jahrzehnte her!

In wenigen Jahren haben wir das selbstfahrende Auto, Drohnen, die Pakete im Garten abwerfen mit Dingen, die wir – mit Glück – wirklich im Internet bestellt haben. Und womöglich begegnen uns dann in der U-Bahn schon die ersten Cyborgs, also Mitbürger, die sich mit Maschinenersatzteilen optimieren ließen.

Heute morgen meldete sich das Smartphone mit dem Hinweis, dass das Update über Nacht fehlgeschlagen sei, weil das Gerät nicht an der Stromquelle angeschlossen war. Vielleicht wäre für uns beide ein bisschen Insel-Auszeit wohltuend.

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