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WDR und 1 LIVE Homophobie ist keine Meinung

2. UpdateIn dem Format „Ausgepackt - Zwei Menschen, zwei Meinungen“ des WDR-Jugendsenders 1 LIVE wird über Homosexualität diskutiert. Leider hat der Sender nicht kapiert, dass Homosexualität keine Meinung ist. Die Kolumne.

„Zwei Menschen, zwei Meinungen“
Izzy und Julia im Gespräch.

Eine junge Frau trägt einen blauen Kochtopf durch eine improvisierte WG-Küche der Jugendwelle des WDR: Alles viel zu bunt hier, findet sie, hingegen es ihrer Gegenüber nicht bunt genug sein kann. Beide kochen sie nicht gerne, sind aber dennoch die ersten Protagonistinnen des neuen 1 Live-Formats „Zwei Menschen, zwei Meinungen“.

Dort wird die fundamental-christliche Julia auf die Lesbe Izzy losgelassen, und obwohl es um Meinungen geht, sollen sie sich am Thema Homosexualität abarbeiten. Spätestens hier hätte eine verantwortungsvolle Redaktion dafür sorgen können, dass sich der Macher Jörn Behr nicht bereits bei seinem ersten Coup disqualifiziert – ist nicht geschehen, daher die Frage an Herrn Behr: Welche „Meinung“ vertritt hier nun eigentlich Izzy? Die Frau ist lesbisch, und zwar, „seit ich 16 bin“ (Izzy).

Warum nicht über die „Demo für alle“ diskutieren?

Dass Homosexualität noch nie eine Meinung war, müssten sie beim WDR eigentlich wissen, weshalb sich als Sendungsthema angeboten hätte, was denn Izzy und Julia von der „Demo für alle“ halten – immerhin wurde Letztgenannte auf jener rechts-klerikalen Veranstaltung in Wiesbaden rekrutiert.

Möglicherweise wäre jedoch eine fulminante Plattform weggebrochen, auf der Fräulein Julia ihre völlig verdrehten Botschaften aus dem tiefsten Mittelalter (also aus dem mit den Scheiterhaufen) unters jugendliche Volk quakt: „Ich habe nichts gegen Homosexuelle, ich habe etwas gegen das Ausleben. (...) Ich sehe Homosexualität wie eine,(...), psychische Krankheit. Eine Störung in der Wahrnehmung,(...) Weil Gott der Schöpfer ist – und er ist dagegen“...

Izzy kann hier nur reagieren. Was bleibt ihr übrig, wenn Meinung auf eine Identität trifft, die es zu rechtfertigen gilt. Womit wir wieder beim Autoren  wären, der den Begriff des Outings nicht mag, stattdessen viel lieber ein „Bekennen“ hätte, auf dass sich die komplette Homobagage jetzt endlich einmal zur Schuld oder zu Gott oder zur Farbe bekennt. Mehr gibt der Duden zum Bekenntnisbegriff nämlich nicht her, aber sicherlich hat es der Herr Behr auch ganz anders gemeint.

„Weil Gott der Schöpfer ist – und er ist dagegen“

„Auf der einen Seite der Regenbogen, auf der anderen Seite einfach nur der Himmel“, formuliert er zu Beginn seines Podcasts – und vollzieht damit eine Gleichung zwischen Fräulein Julia und Lesbe Izzy, die ihm womöglich das Fegefeuer beschert. Im weltlichen muss der Verfasser einfach mal zur Kenntnis nehmen, dass die Regenbogenfahne als das emanzipatorische Symbol wenig mit der Jahrhunderte alten Patriarchenflagge zu tun hat, die sich die Herren inklusive Kameradinnen immer noch gerne als den Himmel denken.

Doch das ist ja nicht einmal das Kernproblem. Vielmehr darf eine völlig weichgezeichnete Julia („Ich begegne jedem mit Nächstenliebe“) unmoderiert de facto diskriminierende Hetzthesen verbreiten. So vergleicht sie Alkoholsucht mit Homosexualität, weil „das, was Spaß macht“, nicht unbedingt gut sein müsse. Zu bewundern ist eigentlich nur Izzy, die lässig kontert, dass man sich ja nicht „in die Bierflasche verliebt“.

Aber, und das wird auch Izzy wissen, kommen solche Wahrheiten bei einer Julia nicht an. Beim WDR hingegen sollte ankommen, dass homophobe Texte per se ziemlich 1314 sind – und eben keine Meinung. Aber das ist ja hier sowieso der Kardinalfehler, und alle Rechtfertigungsversuche auf Facebook laufen ins Leere, weil es die Macher offensichtlich nicht checken: Homophobie ist keine Meinung – und Homosexualität auch nicht. Daher hätte dieses schlechte Spektakel möglicherweise nicht einmal einen Sendeplatz auf bibel.tv.

Ergänzung: Der WDR rudert zurück. „Ausgepackt“ ist der Titel des Formats, der Subtitel „Zwei Menschen, zwei Meinungen“  wurde nachträglich für diese Folge entfernt.

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