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Wahlkampf Von Langeweile keine Spur

Der Wahlkampf ist langweilig, sagen uns die Experten. Nein, das ist er überhaupt nicht! Die Kolumne.

Wahlkampf
Es bleibt spannend: wer wird am Sonntag in den Bundestag einziehen? Foto: Michael Schick (Michael Schick)

Als ginge es um den Start einer Rakete, werden allseits die Tage gezählt. Nun sind es nur noch drei bis zum Ansturm auf die Wahllokale, der hoffentlich auch erfolgt. Das scheint gar nicht so selbstverständlich, wenn man den ewigen Experten glauben will, die uns seit Wochen erklären, dieser Wahlkampf verlaufe bisher überaus langweilig, von gelegentlichen Eierwürfen und Pfeifkonzerten abgesehen.

Wäre dem wirklich so, könnte man ja nach Gründen fragen. Ich sehe mich als Teil jener Zivilgesellschaft, die ständig als Voraussetzung für eine funktionierende Demokratie beschworen wird. Also mische ich mich ein als Bürger, dem es keineswegs egal ist, wer uns die nächsten vier Jahre wie regiert und ob mit dem ewigen Weiter-So der Kanzlerin die drängenden Zukunftsaufgaben auf die lange Bank geschoben werden. Und da man in einer Demokratie allein nichts bewirkt, habe ich zusammen mit Gleichgesinnten eine Wählerinitiative gegründet.

Die ewige Weiter-So-Merkel

Sie tritt mit eigenen Forderungen und Erwartungen für die Wahl des Kandidaten der anderen großen Volkspartei ein. Wir engagieren uns für eine wahrhaftige Politik. Für all die Themen, die im „Duell“ Merkel/Schulz von den Fragenden bewusst ausgelassen worden sind.

Zwar wurde über Flüchtlinge schwadroniert, aber ohne Hinweis darauf, dass sich die Union hartnäckig vor einem Einwanderungsgesetz drückt. Klimawandel als eine Fluchtursache, Fehlanzeige. Keine Rede von Digitalisierung. Dass Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit nur durch Förderung von Bildung zu sichern sind, globale Konzerne bis heute keine Steuern zahlen, kein Thema. Wie steht es um die Forderung Trumps, unsere Militärausgaben ohne erkennbare Not um viele Milliarden zu erhöhen?

Forderungen von Donald Trump

Kein Wunder, dass in Anbetracht des an Demokratieverweigerung grenzenden Beschweigens all der realen Probleme ein erheblicher Teil der Wähler noch nicht weiß, ob und wen er wählen wird. Noch längst ist nicht alles entschieden, wie uns die Umfragebombardements der Meinungsforscher weismachen wollen. Zur Erinnerung: Im Vertrauen auf diese Propheten des Ungefähren hatte Theresa May in Großbritannien Neuwahlen angesetzt und sie prompt verloren.

Als eine Art Ersatzhandlung wird das alte Wer-mit-wem-Spiel variantenreich zelebriert. Dieses schnöde Ablenkungsmanöver hat mich schon auf den Geburtstagsfeiern meiner Oma gelangweilt. Noch beliebter sind die Spekulationen über das Abschneiden der zwischen völkischem und rechtsradikalem Denken changierenden Truppe, die sich frech als Alternative für Deutschland anbietet. Sollte diese Gruppierung eine Agentur angeheuert haben, um die teutsche Maid und den teutschen Mann mit ihren kruden Ideen vertraut zu machen, es wäre hinausgeworfenes Geld. Denn jede ihrer abwegigen Absonderungen wurde medial in einem Übermaß versendet und verstärkt.

Mag ja sein, dass der Feinstaub zwischen den Fingern der Dauerraute die politischen Sinne so mancher Wahlbeobachter vernebelt hat. In den zahllosen Gesprächen mit den mehr als 1200 Unterzeichnern unseres Wahlaufrufs war jedenfalls von Langeweile nichts zu spüren.

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