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Vornamen Wann ist ein Name Kindswohlgefährdung?

Einige geben ihrem Kind den Namen eines Prominenten, andere den eines Liedes. Neuerdings ist der Klang als Profilname bei Twitter wichtig. Die Kolumne.

Babys
Wie diese drei Wonneproppen wohl heißen werden? Foto: Imago

Nach welchen Kriterien wählt man einen Vornamen für sein Kind aus? Leider bin ich nicht besonders originell darin, jemandem einen Namen zu geben. Als Kind nannte ich meinen Teddy Teddy. Oder Bär. Meine Puppe hieß Puppi. Ich bewunderte meine kleine Schwester, die ihre Babypuppe Tanja nannte. Wir kannten niemanden, der Tanja hieß. Wie war sie mit Drei auf diesen Namen gekommen?

Wenn Eltern heute nach Namen für ihr Baby suchen, geht es meist um mehr. Man nennt sein Kind Frederik-Theodor oder Beatrix Amelie Ehrengard Eilika, um herauszustellen, dass man einer bestimmten Schicht angehört – oder zumindest danach strebt, ihr anzugehören.

Manche Namen sind politisch: Der kleine Cem-Levi ist quasi der Baby gewordene Nahost-Friedensprozess. Andere wollen ihre hohe Bildung herausstreichen und nennen ihr Kind Penthesilea oder Persephone. Die nächsten wollen Verbundenheit zu einer Gegend signalisieren und nennen ihr Kind Neumann, wie die Pankower Neumannstraße.

Wieder andere suchen den Namen nach einem Prominenten aus, den sie toll finden. Viele Mädchen in der DDR hießen Peggy, wegen der Sängerin Peggy March. Eine Freundin heißt Gloria, wegen Laura Branigans Hit. Der Sohn einer Bekannten heißt Ethan-Hawke, wegen des Schauspielers.

Lucifer könnte gemobbt werden

Neulich las ich, dass Eltern aus Kassel ihren Sohn Lucifer nennen wollten. Lucifer heißt so viel wie Lichtträger. Das durften sie nicht. Ein Standesbeamter sah das Kindeswohl gefährdet. Er fürchtete, dass der kleine Lucifer später mal gemobbt wird. In Berlin wäre das nicht passiert. In Berlin dürfen Kinder Frost, Himmelblau und Wildwind heißen. Da klingt Lucifer fast bieder. Die Kasseler Eltern hatten übrigens nicht an die Bibel gedacht, sondern an die gleichnamige US-Fernsehserie. Sie ließen sich überreden, ihr Kind Lucian zu nennen.

Früher erkannte man am Namen gut, ob jemand aus dem Osten kommt oder nicht. Eine Mandy aus Münster? Ein Ronny aus Regensburg? Undenkbar! In der Stadt meiner Jugend, Eisenhüttenstadt, lauteten 2016 die beliebtesten Namen Mila, Leni, Sophie sowie Ben, Jonas und Leon. Diese Namen könnten auch in Berlin-Charlottenburg oder Hamburg ausgesucht worden sein. Was Namensgebung angeht, ist die deutsche Einheit offenbar vollendet.

Bevor unser erstes Kind geboren wurde, wussten wir nicht, ob es ein Mädchen oder Junge wird. Die Liste der potenziellen Mädchennamen war lang, die der Jungsnamen kurz. Sollten wir ihn nach den Opas nennen? Walter oder Ninian, ein schottischer Name? Als Tauglichkeitstest stellte ich mir vor, wie eine Berliner Erzieherin den Namen laut rufen würde: Niiiinijaaaaan, bind deine Schuhe zu.

Schließlich wollten wir ihn Conrad nennen. Doch als er dann auf der Welt war, schauten wir ihn an. Er war kein Conrad. Es schien grundsätzlich falsch, sich auf einen Namen festzulegen. So überwältigt waren wir. Wir nannten ihn Baby, Babylein, Maus, Mäuschen, Äffchen, Monkey, kleines Monster, Gangsterbaby. Derzeit reagiert er nur auf Spiderman.

Ich las, dass Eltern neuerdings auch der Klang als Profilname bei Twitter wichtig ist. Mir fielen Mütter ein, die direkt aus dem Kreißsaal einen Account für ihr Neugeborenes einrichteten und jeden Fortschritt dokumentierten. Das haben wir noch nicht gemacht. @Spiderman_News klingt aber gut.

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