Lade Inhalte...

USA Unamerikanische Umtriebe

Trump zum Trotz: Die US-Demokratie hat John Edgar Hoover und Joseph McCarthy überlebt. Das lässt hoffen.

Unamerikanische Umtriebe
San Francisco, 1961: Während in der City Hall das Kommitee gegen unamerikanische Umtriebe potenzielle Kommunisten verhört, springt die Polizei auch draußen mit Demonstranten nicht gerade zimperlich um. Foto: Imago

Vor 70 Jahren konnte es in den USA ungemütlich werden, wenn jemand „unamerikanischer Umtriebe“ verdächtigt wurde. Ein Gremium im Repräsentantenhaus nahm sich dieser angeblich politisch Verirrten an und machte sie zu Saboteuren, die mit ihrer kommunistischen Unterwanderung das US-Wertesystem zum Einsturz bringen wollten. Nach einer Rede des Präsidenten Harry Truman begann 1947 eine regelrechte Jagd auf solche Verräter, darunter linksliberale Schriftsteller und Leute aus der Filmbranche. Der vor dem Krieg gegründete Ausschuss, das „House Un-American Activities Committee“ (HUAG), wurde wiederbelebt und zu einem beispiellosen Inquisitionsgericht, dessen Methoden sich um keinerlei Legalität im Rahmen der Verfassung scheren mussten.

Unterschieden wurde nur in „freundliche“ und „unfreundliche Zeugen“. Wer kooperativ war und andere denunzierte, war freundlich. Wer sich auf den Ersten Zusatz zur amerikanischen Verfassung berief, der Rede- und Meinungsfreiheit garantiert und die Frage nach einer Parteizugehörigkeit als verfassungswidrig ablehnt, riskierte wegen seiner Unfreundlichkeit und der „Missachtung des Kongresses“ ein Jahr Haft. Einige kehrten nach der Gefängnishaft in die Hollywoodstudios zurück, andere landeten im wirtschaftlichen Aus.

Auch Bertolt Brecht wurde im sechsten Jahr seines Exils in Kalifornien als „unfreundlicher Zeuge“ vorgeladen, beantwortete alle Fragen nach einer Parteimitgliedschaft mit Nein, und verwies gegen Vorhaltungen auf sein kommunistisches Stück „Die Maßnahme“ auf ein japanisches Vorbild. Er gab zu, dass die Grundlage seiner Stücke marxistisch sei und dass er mit den Eisler-Brüdern über nichts anderes als über Politik geredet habe. „Ein abstruser Brecht’scher Vorgang, weil man ihn so nicht der Lüge überführen konnte – das Komitee konnte mit dem Mann nichts mehr anfangen und schickte ihn weg. Auf Eislers Rat flog er noch in derselben Nacht nach Zürich“, schrieb Hans Bunge in seinen Anmerkungen zu den Gesprächen mit Hanns Eisler. Später notierte Brecht, dass sich „… die besieger des faschismus als faschisten zu erkennen geben“.

Zum Wirken des Ausschusses des Repräsentantenhauses vergiftete FBI-Chef John Edgar Hoover mit seinen Nachstellungen jegliche intellektuelle und politische Freiheit der USA. Als Dritter im Bunde kam Senator Joseph McCarthy zum Zuge. Sein Untersuchungsausschuss zur Aufdeckung der kommunistischen Unterwanderung der US-Gesellschaft führte fast täglich Anhörungen durch, die Gerichtsverhandlungen glichen, ohne die Rechte der Angeklagten zu respektieren. McCarthy überzog das Land mit seinen wahnhaften Verschwörungsfantasien, die in der irren Aussage gipfelten, seit 1933 hätten die demokratischen Präsidenten 20 Jahre lang nichts als Hochverrat betrieben.

In der Bundesrepublik machte er sich einen Namen, weil er Mitarbeiter in die Amerika-Häuser schickte, um die Werke von 75 US- Autoren – alle angebliche Kommunisten – aus den Bibliotheken zu entfernen. Aber damals wie heute hatte die Macht im Staate die Medien nicht im Griff, weshalb dieser fürsorgliche Umgang mit US-Literatur als „Bücherverbrennungsmission“ und als heilloses PR-Desaster gebrandmarkt wurde. Die amerikanische Demokratie hat Hoover, McCarthy und die HUAG überlebt. Das lässt hoffen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum