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USA Die radikalen Ziele des Trump-Amerikas

Der künftige US-Präsident Donald Trump will das Land führen wie seine unzähligen Firmen. Das kann nicht gutgehen. Die Kolumne.

Donald Trump will die USA als aggressives Unternehmen“ führen. Foto: epa

Am 20. Januar wird die Welt nicht untergehen. Ich sehe nicht so schwarz wie der Schriftsteller Daniel Kehlmann, dem Trumps Wahlsieg als „Anfang vom Ende der westlichen Demokratien“ erscheint. Aber der Möglichkeit, dass sich nicht nur die US-Demokratie mit demokratischen Mitteln abschaffen lässt, sind wir schon ein Stück näher gekommen.

Es gärt, und nicht nur im Untergrund. Als kürzlich ein ARD-Korrespondent ironisch forderte: „Nehmt Trump das Smartphone weg!“, weil es ein Unding wäre, wenn sich eine Supermacht mit Twitterbefehlen regieren ließe, schlug die Kommentarwelle zurück. Deutsche Zuschauer empörten sich über mangelnden Respekt gegenüber der neuen Autorität. „Mr. President spricht mit seinem Volk und der Welt direkt. Das gefällt den Medien natürlich nicht ... mir gefällts“, las ich bei tagesthemen.de.

Der Plassen Verlag hat im Mai geahnt, wie die Wahl ausgehen wird, und Trumps „Wie ich Amerika retten werde“ inzwischen zweimal aufgelegt. In 17 Kapiteln plus Auflistung von persönlichen Finanzen und Immobilienbesitz offenbart uns dieses Meisterwerk narzisstischer Selbstdarstellungs- und unvergleichlicher Vereinfachungskunst die tollsten Verheißungen. Vieles kennt man aus den Wahlkampfreden – aber hier hat man das Original. Und man sollte es lesen, damit am Ende keiner sagen kann, nicht gewusst zu haben, welche radikalen Ziele der „zwielichtigste, korrupteste Bursche, der je ins Weiße Haus einzog“ (Julian Castro, zur Zeit noch US-Wohnungsbauminister) verfolgt.

USA als aggressives Unternehmen

Der nach eigener Aussage reichste Präsidentschaftskandidat der Geschichte, der einzige Milliardär, der je kandidiert hat, verspricht mit seiner Millionärsriege das Land „von den Interessenvertretern des Großkapitals zurückzuholen“. Amerika müsse fortan wie die „Trump Organization“ – ein Konglomerat von Firmen, das Häuser im „Ultraluxussegment“ baut, Golfplätze betreibt und Parfüm herstellt – als „aggressives Unternehmen“ geführt werden.

Für die Außenpolitik gibt er vor, nur noch von einer Position der Macht aus zu agieren, dafür werde die USA das stärkste Militär der Welt unterhalten. Man werde diejenigen belohnen, die das Trump-Amerika unterstützen, diejenigen bestrafen, die es nicht tun. „Als Allererstes müssen wir unsere Fähigkeiten stärken, jemandem tatsächlich auch auf die Fresse hauen zu können.“ So will er die Philosophie des Skandalboxers Mike Tyson (der einem Gegner ein Ohr abgebissen hatte) in die Weltpolitik einbringen.

Weil der zu erwartende Rüstungswahn und die Großprojekte zur Reparatur der Infrastruktur viel Geld kosten werden und Trump nicht wenige Wähler mit dem Versprechen umfassender Steuersenkungen angelockt hat, müssen Geldgeber her. Er denkt an Saudi Arabien und Deutschland, weil die doch lange genug vom US-Schutz profitiert haben und dafür zahlen sollten.

Auch Mexiko werde für die Grenzmauer bezahlen müssen. „Glauben Sie mir, es geht. Niemand kann wie ich eine Mauer bauen.“ Heidelberg-Zement hat reagiert und eine Nasenlänge Vorsprung vor den Konkurrenten. Vielleicht lässt sich der Beton aus meiner Heimatstadt als deutsche Kontributionszahlung abbuchen. „Vom Geschäftemachen versteht niemand mehr als ich.“

Hoffen wir, dass nur dieser Satz und kein schlimmerer am Ende seiner Amtszeit als politisches Vermächtnis bleibt.

Klaus Staeck ist Grafiker.

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