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Trolle im Netz Der Sog aus Hass und Zerstörung

Das Netz ist voller Trolle, die politisch Einfluss nehmen. Und die digitale Zivilgesellschaft reagiert auf blanken Hass hilflos und defensiv. Dagegen kann und muss man vorgehen. Unsere Kolumne.

Berlin
Tausende Menschen demonstrieren in Berlin gegen Fremdenhass. Foto: dpa

Die sozialen Netzwerke haben die Welt rasant verändert. Um dem digitalen Zeitalter gerecht zu werden, muss sich auch die Politik diesem Thema systematisch zuwenden. Dabei darf es nicht nur um die technischen und strukturellen Bedingungen gehen, sondern auch um die gesellschaftspolitischen.

Wir erfahren viel mehr von Ereignissen auf der Welt als früher und gleichzeitig ist der Umgang miteinander oft unerträglich geworden. Das Netz ist voller Trolle, die politisch Einfluss nehmen. Und die digitale Zivilgesellschaft, so sie sich überhaupt dem Medium zuwendet, reagiert auf blanken Hass hilflos und defensiv.

Digitale Bildung wäre ein Anfang

Die Tür zur digitalen Welt ist gerade mal einen winzigen Spalt geöffnet, ihn wieder zu schließen ist keine Option. Und durch den kleinen Spalt reinzubrüllen, die Nutzer mögen doch endlich nichts als die Wahrheit kundtun, sich ziviler verhalten und die Provokateure verschwinden, wird nicht funktionieren. Die aufgeregte Frage, ob mit den sozialen Netzwerken der Hass auf Minderheiten größer geworden sei und rechts außen dadurch populär wurde, braucht eine echte Antwort.

Der neue Bundestag tritt gerade zusammen. Sollte es also ein Ministerium geben, das sich mit Fragen der Digitalisierung beschäftigt, muss es sich auch mit digitaler Bildung beschäftigen. Kinder wie Erwachsene brauchen die Möglichkeit, zu lernen, wie man sich in den Netzwerken bewegt, wie man diskutiert, was der Unterschied ist zwischen Meinung und Fakten und wie man mit Quellen umgeht. Eine digitale Kultur, die den alten zivilisatorischen Erkenntnissen der Menschheit über den Austausch von Meinungen, den Streit, die Debatte folgt und sie nutzt, würde helfen, sich mit den Themen unserer Zeit auseinanderzusetzen, ohne dass der Streit nur Hass produziert. Das hilft nicht nur online – auch offline kann damit klarer werden, wann eine Auseinandersetzung mit der Neuen Rechten Sinn macht und wann nicht.

Wer mit den Rechten unbedingt reden will, soll es tun. Für manche, die das Gespräch suchen, sind diese Leute einfach unwiderstehlich. Schon als es um rechte Aussteiger ging, leuchteten die Augen bei einigen, die sie unbedingt mal befragen wollten, geradezu. Es war eine Mischung aus Grusel und Geilheit auf das Unsagbare des Deutschseins.

Heute ist das nicht viel anders, obwohl nun alle wissen, wie die Neue Rechte tickt. Sie will am allerliebsten besprechen, was nicht zu besprechen und über das verhandeln, was in der Demokratie unverhandelbar ist. Was soll in dem Fall ein Gespräch? Wer scharf darauf ist, das Menschenbild der Neuen Rechten kennenzulernen, wer unbedingt mal, aus demokratischer Perspektive, versteht sich, völkische Denkweisen kennenlernen will – wie jüngst auf der Frankfurter Buchmesse –, der sollte sich über mehr als die eigenen rhetorischen Fähigkeiten Gedanken machen. Wenn es Argumente gibt – nur zu. Doch die grundsätzliche Ablehnung von Menschen aufgrund unveränderbarer Merkmale ist indiskutabel.

In den sozialen Netzwerken zeigt sich, wie der Sog aus Hass und Zerstörung funktioniert. Wenn wir nicht wollen, dass so unsere Wirklichkeit wird, brauchen wir mehr und bessere digitale Kompetenz. Und eine Menschlichkeit, die ziviler und stärker ist als die apokalyptischen Fantasien antimoderner und antidemokratischer Populisten.

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