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Toiletten-Kultur WC-Sitze - gefährlicher als VW-Diesel

Kultursensible Toiletten, Pissoirs, die geschlechtergerecht sind. Folgt der Energie- nun die WC-Wende? Die Kolumne.

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Heutzutage sind kultursensible Toiletten gefragt. Foto: Monika Müller

Damit Zuwanderer sich zu Hause fühlen, plant ein Kölner Bürgerzentrum den Einbau eines Hockklos. Vielfältig sind die Bemühungen, mit der Integration zu Stuhle zu kommen. Dank dieser „kultursensiblen Toilette“, heißt es, könnten zudem Einheimische etwas lernen. Schön. Aber was wird, öh, Björn Höcke von der sogenannten Alternative für Deutschland dazu sagen? Ich jedenfalls bin aufgeschlossen.

Damals beim Kommiss besuchte unsere Kompanie die sowjetischen Waffenbrüder in der Garnison Gotha. Zum Programm gehörte die Besichtigung des Aborts der Rotarmisten. Verwirrt standen wir vor einem Duschbecken mit zu groß geratenem Abfluss. Nachdem man es uns erklärt hatte, glaubten wir, es – in sanitärer Hinsicht – mit der Nationalen Volksarmee dufte getroffen zu haben. (Wie um den Effekt noch zu verstärken, hatten die Towarischtschi sich nicht bemüht, ihr Klo vorher zu säubern.)

„Nach Mekka kacken geht gar nicht“

Zu notdurftbezogenem Hochmut besteht kein Anlass. Die Abfahrerhaltung ist nicht nur im afrikanisch-orientalischen Krisenbogen verbreitet, sondern auch in Russland, China und Teilen Europas. Erstaunlich ist allerdings, dass man das Kölner Projekt mit dem Kompass justieren will. „Nach Mekka kacken geht gar nicht“, wird ein Verantwortlicher zitiert.

In Deutschland leben an die fünf Millionen Muslime im überwiegend kulturunsensiblen Gebäudebestand. Folgt der Energie-, Migrations- und Mobilitäts- nun die Toilettenwende? Werden nur Fäkalmöbel oder ganze Immobilien gedreht?

Der Berliner Senat hat jetzt ein neues Konzept für öffentliche Bedürfnisanstalten vorgestellt – wohl weil das alte, ortsuntypisch, halbwegs funktioniert. Aufsehen erregt, dass pelikanschnabelförmige Pissoirs mehr „Geschlechtergerechtigkeit“ herstellen und Frauen den Traum vom Stehendpinkeln erfüllen sollen.

Der Traum vom Stehpinkeln

Und wann kommt das Kölner Modell in die Hauptstadt? Es ist nicht nur bunt, weltoffen und kultursensibel. Dafür sprechen sogar proktologische Befunde, die jeden Skeptiker locker niederkartätschen: Der Musculus puborectalis knickt in der Hocke nicht ab. Der Beckenboden schwebt chillaxed. Studien schwärmen von einem erfüllenden Gefühl des Entleertseins. Hernach sei man inwendig so vollständig von substanziellem Ballast befreit wie eine Talkshow.

Die konventionelle Klobrille dagegen riefe nicht allein Schmier-Ekel, Hartleibigkeit, hervortretende Augäpfel und hämorrhoidalen Rosettenprolaps hervor. Es drohten auch Darmgeschwüre und Schlaganfälle. Gefährlicher als VW-Diesel sind mithin WC-Sitze.

Wie soll Deutschland in Zukunft müssen müssen? Diese Debatte kann den sogenannten Wahlkampf beleben. Die letzte Chance für Martin Schulz. Der forderte neulich eine Quote für die Produktion unausgereifter Elektroautos, zu deren Kauf man die Verbraucher dann wohl auch zwingen müsste. Ach. Er sollte sich besser für „Geräuschprinzessinnen“ einsetzen. Das sind – auf Japans Toiletten übliche – Lautsprecher, die Spülgeräusche imitieren und damit jede Darmtätigkeit übertönen.

So sehen Siegerthemen aus. Warum sonst beschäftigt sich die halbe ZDF-Vorabendwerbung mit der Frage: Wie führe ich schonend ab? Die große Visionärin Angela Merkel hat längst einen Plan: Sie will ein Deutschland, in dem (oder in das) wir gut und gerne ausscheiden.

André Mielke ist Autor.

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