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Terror in London Gezielte und gewollte Volksverdummung

Ob von den Rechtsextremen oder seitens der Kirche: Die Reaktionen auf den Terror in London waren vorhersehbar. Die Kolumne.

Papst
Papst Franziskus betete während der traditionellen Pfingstmesse im Vatikan auch für die Opfer der Terroranschläge. Foto: dpa

Eigentlich, liebe Leut’ von der Kirche, könnte doch alles ganz einfach sein. Macht Euer Ding, heimlich und gerne auch klamm, und lasst alle anderen in Ruhe. Ich weiß, das fällt Euch schwer, weil Ihr meint, Ihr hättet mit der Erfindung Eures Gottes die Weisheit gepachtet, und der Rest der Menschheit müsste es Euch nachtun. Schminkt Euch das doch einfach mal ab.

Nehmen wir doch mal zur Verdeutlichung ein ganz aktuelles Beispiel: Beatrix Amelie Ehrengard Eilika von Storch, also die Propagandaministerin der AfD, schreibt (kann man das noch „Schreiben“ nennen?) kurz nach dem jüngsten Londoner Terroranschlag an Justizminister Heiko Maas auf Twitter: „Sparen Sie sich Ihr Erschüttert-Unbegreiflich-Stehen-zusammen-In-Gedanken-bei-BLABLA. Sprechen Sie das Problem aus!“

Nun ist ja bekannt, dass Rechtsextreme oftmals mit der deutschen Orthographie erstaunlich wenig am Hut haben (ein weiteres Beispiel dafür, was mangelnde Bildung so alles zu verursachen vermag). Doch die hochwohlgeborene Madame von Storch müsste es eigentlich kraft ihrer Herkunft besser können.

Kann sie auch. Macht sie aber nicht. Ist auch egal. Wie auch immer geschrieben: Es ist und bleibt geistiger Dünnschiss, für extremistische Taten „die Muslime“ verantwortlich zu machen. Gezielte und gewollte Volksverdummung. Nun lässt sich aber nur ein Volk verdummen, das sich auch verdummen lassen will. Aber das ist ein anderes Thema.

Nein, halt, stopp, liebe Leut’ von der Kirche, kommet wieder herab! Ich möchte Euch doch gar nicht mit der braunen Tante in einen Topf werfen! Ich habe schließlich noch alle Latten am Zaun. Doch genau deswegen kritisiere ich auch Eure Reaktion auf die Londoner Anschläge. Nehmen wir doch mal den Münchner Kardinal Marx. Er rief in seiner Pfingstpredigt dazu auf, Terror und Gewalt die christliche Botschaft entgegenzusetzen. Marx wörtlich: „Die Macht Christi ist stärker.“ Sein Chef, der Franz aus Rom, weilte derweil in Portugal, um zwei Kinder heiligzusprechen, weil sie im Jahre 1917 eine Frau gesehen haben wollen. Natürlich predigte auch Franziskus zu den Londoner Vorfällen: „Wir werden jede Mauer niederreißen und jede Grenze überschreiten, wenn wir in jede Peripherie gehen, um Gottes Gerechtigkeit und Frieden bekannt zu machen.“ Außerdem trug er seinem guten Kumpel, dem Heiligen Geist, auf, der möge doch gefälligst der ganzen Welt Frieden geben und von der Plage des Krieges und des Terrors heilen.

Kirchliche Reaktionen dieser Art könnte ich noch Dutzende anführen. Liebe Leut’ von der Kirche, wisst Ihr, was ich meine? In all diesen Verlautbarungen lauert doch immer wieder die gleiche Feststellung: Kommet zum Christentum, dann wird alles gut. Im Umkehrschluss: Euer Mohammed, der taugt nix, und das habt Ihr nun von Eurem Irrglauben.

Hätte es denn nicht gereicht, einfach nur sein Beileid für die Opfer zu bekunden? Muss man da gleich Werbung für die eigene Klitsche machen? Ist das nicht vielleicht sogar pietätlos? Und wenn wir schon mal dabei sind: Erstens könnte – ja, müsste man auch den Angehörigen der drei Täter kondolieren. Und zweitens als selbsternannte Verfechter der Friedfertigkeit doch wenigstens mal schüchtern die Frage stellen: War es denn wirklich notwendig, drei lediglich mit Messern bewaffnete Menschen gleich zu erschießen?

Michael Herl ist Autor und Theatermacher.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Großbritannien

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