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Tanzverbot Hashtag Auferstehung

Was man als Kirche so alles tut, um den wahren Glauben unter die Leute zu bringen. Zum Beispiel Hashtags und Fanpages basteln. Dürfen wir trotzdem tanzen? Die Kolumne.

Holzschnitt der „Auferstehung Christi“ des Künstlers Julius Schnorr von Carolsfeld
Ostern feiern Christen Jesu Auferstehung. Und das trotz digitaler Tools mit alten Mitteln. Foto: epd

Die alljährliche Party um den Jüngling mit der Dornenkrone ist der Christen wichtigstes Fest. Steif und fest behaupten sie seit Jahrhunderten, der Mann sei ans Kreuz geschlagen und leblos wieder abgehängt worden, um drei Tage später gen Himmel zu fahren, so dass die Menschheit fortan in Glückseligkeit erstrahle.

Die Story ist einigermaßen unglaubwürdig, wird aber brav weitergetragen: Gottes Sohn sei das immerhin gewesen, gestorben sei er für „unser aller Sünden“, auf dass das Leben unendlich sei, „wie im Himmel, so auf Erden“. Damit das auch im Zeitalter weltlicher Wissenschaft (Biologie, Physik usw. usf.) noch jemand glaubt, schießen die Jünger*innen Gottes bereits vor dem Kreuzigungsritual aus allen Rohren.

Die evangelistische Facebook-Kampagne #DarumOstern (1212 Likes) hat insbesondere die Jugend im Visier, die bislang von „weltlichen Historikern“ verblödet wurde, anstatt sich mit den schlagenden „Argumenten für Auferstehung“ auseinanderzusetzen. Bereits Apostel Paulus habe selbige im Korintherbrief (Kap. 15, 55– 57 „n. Chr.“) bestätigt, außerdem hätten „Frauen“ das leere Grab entdeckt; deren Aussagen hätten aber seinerzeit keinerlei Gewicht besessen. Ergo muss es wahr sein.

 

Story, die auch WhatsApp-Zombies kapieren

Eine fabelhafte Begründung, die in einem anderen Post weitergedreht wird – „Der Mann ist tot. [...] Das Grab ist leer. Jesus lebt.“ – und damit den größten „Handlungswechsel“ ever behauptet, um schließlich die Story zum Historiendrama auf RTL 2 zu verweltlichen. Natürlich in knappen Sätzen, die auch die WhatsApp-Zombies kapieren, die irgendwann die Kirchensteuer abdrücken.

Und eigentlich könnten sie alle, ob mit Kreuz oder Hahn auf dem Kirchendach, bis ins Himmelreich vor sich hin schmoren, wenn ihr Aberglaube nicht den alltäglichen Gang der Dinge und Freuden unterwanderte. „Stille Feiertage“ nennt sich beispielsweise euphemistisch das Musikverbot in Clubs und Kneipen, das die Kirchen noch 2017 durchzuboxen imstande sind. Freundliche Unterstützung erhalten sie alljährlich von einer „repräsentativen“ YouGov-Umfrage, die eine mehrheitliche Zustimmung zum Tanzverbot an Karfreitag behauptet und medienübergreifend reflexionslos unters Volk gejubelt wird, obwohl weder Fragestellung noch Datenlage Rückschlüsse auf die Haltung der eigentlich betroffenen Bevölkerungsgruppe zulassen.

Wer wann und wo wie befragt wurde, legen die Herren und Damen Meinungsforscher generell selten offen. In diesem Fall würden die 51 Prozent Befürworter möglicherweise größtenteils auf ein Grüppchen reduziert, das die entsprechenden Lokalitäten als Luzifers Begegnungsstätten sowieso meidet und bevorzugt mit dem Verzehr des „Leibes Christi“ ihre Fantasien pflegt.

Weil Hashtags nicht reichen, wird auf alte Tricks zurückgegriffen

Alleine mit einem Hashtag schafft es aber auch die klerikale Kaste nicht, ihr Machtpotenzial aus vergangenen Tagen in die dämmernde Neuzeit zu retten. Einer der ältesten Tricks soll helfen:

 

„Du vergisst sie manchmal. Du kannst sie ignorieren. Aber du kannst sie nicht stoppen. Die Zeit läuft. Deine Zeit läuft ab“ – #DarumOstern macht es nicht drunter, um seine Schäfchen in jenen Angstmodus zu versetzen, der für einen wirklichen Glauben gar nicht taugt. Aber immerhin verbringen sie ihre „wenigen Lebenstage“ damit, ihn schlicht vorzutäuschen.

Katja Thorwarth ist Autorin und Redakteurin der digitalen Redaktion der FR.

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