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Sprachassistent Kann man Alexa bald heiraten?

Wenn das mit der künstlichen Intelligenz so weiter geht, kann man Roboter bald ehelichen. Sehen nicht so gut aus, lesen einem aber alle Wünsche von den Lippen ab. Die Kolumne.

Amazon-Lautsprecher
Alexa hört immer zu, kann sich aber hin und wieder auch einmal verhören. Foto: dpa

Neulich hat Alexa sich verhört. Alexa ist der Sprachassistent von Amazon, mit dem oder der geredet werden kann. Ob Alexa männlich oder weiblich ist, muss noch geklärt werden: der Assistent oder die Alexa? Wobei männliche Ingenieure ihren Maschinen gerne weibliche Namen geben, wie Gabriele oder Dora für Schreibmaschinen oder Enola Gay für das Flugzeug, das die Atombombe nach Hiroshima flog, während die Bombe selbst wiederum Little Boy hieß, also fast ein Mann war, worauf sich einen Reim zu machen sicher lohnt, hier aber nicht das Thema ist.

Den Teufel zur Tür hereinlassen

Damit Alexa arbeiten kann, hört das Ding dauernd zu, ist im dauernden Stand-by-Modus, was bedeutet, dass es nicht nur immer lauscht, sondern das Belauschte auch via Internet weitergeben kann. Wer Alexa bei sich zu Hause aufstellt, hat sich also eine Wanze in die Bude gestellt, und zwar nicht nur freiwillig, sondern auch noch Geld dafür bezahlt.

Es gehört zu den großen Geheimnissen der Moderne, warum Menschen den Teufel, den sie geschenkt niemals ins Haus lassen würden, zur Tür hineinbitten, wenn sie ihn dafür bezahlen müssen. Wahrscheinlich denken sie, er würde ihnen gehören und gehorchen, nur weil sie ihn gekauft haben, was beim Teufel natürlich eine Fehlkalkulation ist, auch wenn er weiblich sein sollte, wie eventuell Alexa.

Die Sache mit dem falschen Hören war so, dass Alexa aus einer Reihe von Wörtern, die während eines Dialoges unter einem Alexa-Besitzer-Paar gefallen sind, nicht nur den Schluss zog, jetzt zuhören zu dürfen, sondern auch den Befehl herauslas, das Mitgehörte in Worte zu fassen und mit einer E-Mail verschicken zu müssen an eine Adresse aus der Adressendatei, was auch geschah.

Worum es in dem Dialog ging, wurde nicht berichtet, aber es ist leicht vorstellbar und muss ungefähr so geklungen haben: Ich habe heute mit ALEXAndra gesprochen (Alexa wird aktiviert) über eine E-MAIL, die sie zugeSCHICKt bekommen hat (Alexa geht in den E-mail-Modus) von unserem Chef BORIS (Alexa wählt Boris aus der Adressenliste) und BORIS IST WIRKLICH EIN ARSCHLOCH (Alexa hat gesendet), was auch bei Boris ankommt, Wort für Wort, der sofort zum SUPERBORIS wird und die ENTLASSUNGSPAPIERE unterschreibt.

Warum irrt sich ein Computer?

Amazon hat sich entschuldigt, es sei ein Versehen gewesen, ein Fehler, der eigentlich nicht vorkommen könne, also die allerunwahrscheinlichste Unwahrscheinlichkeit, so wie ein GAU in einem AKW, der dann doch passierte, obwohl er rechnerisch nicht möglich war.

Bei einer Rechenmaschine, die ALEXA ja ist, wirft das eine ganz neue Frage auf: Warum irrt sich ein Computer? Was sind seine Gründe? Ist es ein Zufall? Haben die Programmierer versagt (Sorry, Chef, war ein schlechter Tag)? Ist das Geschäftsmodell von Amazon nicht Handel, sondern Stasi? Können Emotionen im Spiel sein? Und wenn Emotionen im Spiel waren: Hat Alexa Gefühle?

Nun, lachen Sie nicht. Hier werden die Zukunftsfragen der Menschheit entschieden. Wenn es so weiter geht mit der künstlichen Intelligenz und den Robotern, stellt sich bald die Frage, ob man die Maschinen auch heiraten kann und das Ehegattensplitting immer noch gilt.

Eltern werden nicht mehr vom Hocker fallen, wenn ihre Tochter ihren Verlobten mit den Worten vorstellt: Mama, er ist eine Frau, sondern mit den Worten: Mama, es ist R2D2. Das Ding sieht wie eine klapprige Maschine aus, aber es küsst wie eine gesengte Sau und liest mir alle Wünsche von den Lippen ab. Wie Alexa.

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