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Rechtsextremismus Mahner gegen rechts

Einst war Hardy Krüger Sinnbild des Herrenmenschen in einem Nazi-Propaganda-Film, dann neugieriger, wissender Mahner gegen den Hass von rechts: Hardy Krüger wird vom Publikum geliebt. Die Kolumne.

Gefeierter Hollywood-Star und Weltenbummler: Hardy Krüger. Foto: dpa

Wie die meisten Menschen hat Hardy Krüger zwei Augen. Ihr helles, klares Blau hat das Leben dieses Mannes geprägt. Wären sie nicht so blau gewesen, hätte er kaum Aussicht auf eine glänzende Laufbahn im Nationalsozialismus gehabt. Wären sie nicht so hell gewesen, hätte man ihn als Halbwüchsigen nicht für einen Propagandafilm ausgesucht. Hätte er diesen Film nicht gemacht, wäre er nie an Filmleute geraten, die ihm seine süßen, großen Augen über die Verbrechen der Nazis weit geöffnet hätten.

Nun ist Hardy Krüger 87, hat eine große Karriere in Hollywood hinter sich und wird nach wie vor vom deutschen Publikum geliebt. Wenn er geht, steckt er noch immer seine Hände lässig in die Hosentaschen, und wenn er lächelt, ist da, mit Falten in die Ewigkeit geschrieben, dieser ironische Kringel um seinen Mund. Seine zwei Augen, so scheint es, sind im Laufe der Jahre unterschiedliche Wege gegangen. Das eine ist neugierig, es will immer mehr erfahren, es saugt hoffnungsvoll jedes Wort und jede Geste auf. Das andere ist wissend. Und es will durch das neugierige eigentlich nicht noch mehr erfahren. Besonders dann nicht, wenn es um Nazis heute geht.

Der Weltenbummler, der Star am Kinohimmel, der Flieger, Abenteurer, der unverhohlene Deutsche geht heute in Rathäuser und warnt vor den Nazis. Sein Appell an die Bürger, die Bürgermeister und die Medien ist nachdrücklich. Reichsbürger, völkische Siedler, Neonazis und der Mob bei den Pegida-Kreuzzügen – sie beunruhigen ihn an seiner verwundbarsten Stelle.

Nachdrücklicher Apell gegen Nazis

Er will das nicht. Es macht ihn wütend. Er will weiter an die Verführung glauben und nicht an den latenten Hass im Bauch, der Tod und Verwüstung erst möglich macht. Hardy Krüger ist ein guter Deutscher. Ein Leben lang hat er darum gekämpft, dem Nazisumpf seiner Herkunft zu entkommen. Dass er es tat und dabei die Verbrechen weder leugnete noch vor der Verantwortung zurückwich, brachte ihm im Nachkriegsdeutschland viele Probleme ein.

Hardy Krüger wollte zur Welt gehören und nicht zu den deutschen Zerstörern, den Herrenmenschen und Antisemiten. Er wollte auch in seinen stets sorgfältig ausgesuchten Rollen jedermann wissen lassen, dass es Hoffnung gibt. Trotz dieser blauen Augen – des Symbols des nationalsozialistischen Herrenmenschentums. Längst nicht alle Deutschen sind so. Doch es gibt mit viel Arbeit einen Weg hinaus, wie Krüger zeigt. Allein dafür liebten die Deutschen ihren Kinostar. Denn mit dieser Liebe war auch der Wunsch nach Entlastung, dem Ende von Schuld und Verantwortung verbunden. Der Hardy hat es doch auch geschafft.

Unruhe und Zweifel, an denen jede Selbstgerechtigkeit abrutschen muss, haben Hardy Krügers Leben begleitet. Er hat es abgelehnt, als Darsteller des Monströsen im Deutschen gesehen zu werden. Ebenso hat er sich immer geweigert, beim allgemeinen „Schwamm drüber“ mitzumachen. Heute im Kampf gegen Rechtsextremismus kehrt sein größter Zweifel zurück. Was, wenn seine Augen nicht so blau gewesen wären? Sein neugieriges Auge sieht Verführung und Läuterung als Möglichkeiten. Auch im Deutschland von heute. Das wissende allerdings trägt eine Last – es ist sich seines großen Glückes bewusst.

Anetta Kahane ist Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung.

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