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Rechte auf der Buchmesse Gejammer in der Sackgasse von Halle 4.1

Ob Götz Kubitschek oder „Junge Freiheit“: Rechte Sternchen inszenieren sich auf der Buchmesse in Frankfurt einmal mehr als Opfer. Man sollte sich nicht darauf einlassen. Die Kolumne in der FR.

Buchmesse Frankfurt
In Halle 4.1 sammeln sich die Rechten - und sind sauer. Foto: dpa

Martin Sellner von der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ war am 14. Oktober 2017 vor lauter Pathos ganz aus dem Häuschen: „Sie reden immer nur über uns, sie reden nie mit uns. … Aber heute haben wir ein Zeichen gesetzt im Herzen des linksliberalen Establishments.“ Sellner stand auf einer Bühne der Buchmesse und fühlte sich als Sieger, in Frankfurt, wo „der Linksradikalismus seine Wurzeln hat (…) und wo er auch sein Ende finden“ wird (Heidi Mund, radikale Christin).

Sellners Hausverlag „Antaios“ gibt es bei der Messe in Frankfurt 2018 scheinbar nicht mehr. Götz Kubitschek, ehemaliger „Antaios“-Leiter und Politaktivist, meldete seinen Laden erst gar nicht an, um, ganz „Kai aus der Kiste“, die verlagseigenen Machwerke nun vom „Loci-Verlag“ unters Volk jubeln zu lassen. Dort hatte Kubitschek bereits seine „Homestory“ mit Gattin Ellen Kositza publiziert; er selbst hatte das Gerücht gestreut, künftig wohl als Berater von CDU- und AfD-Politikern aktiv werden zu wollen. Das erscheint angesichts der schwarz-blauen Koalitionsspekulationen durchaus eine Karriereperspektive, auf die Bühne im „linksliberalen Establishment“ wird Verleger Kubitschek dennoch nicht verzichten. 

Lieblinge der AfD vereint

Kuschelig dürfte es vor allem in der Sackgasse der Halle 4.1 werden. Auf dem „raumgewordenen politischen Katzentisch“, wie die „Zeit“ formuliert, sind viele seiner Geschwister im Geiste gleichsam platziert. Darunter das neurechte „Cato Magazin“, der „Ahriman-Verlag“ und der „Karolinger Verlag“. Ebenso die Stars unter den rechtsstrahlenden Sternchen, der Verlag „Manuscriptum“ sowie das Lieblings-AfD-Organ „Junge Freiheit“.

Die „Junge Freiheit“ zeigte sich ob der exklusiven Lage einigermaßen beleidigt, zumindest spricht Chefredakteur Dieter Stein vom „Gang der Schande“. Ein „JF“-Filmchen prangert – mit dem Grundgesetz wedelnd – fehlende Meinungsfreiheit an; als würde dort geschrieben stehen, an welchem Standort auf der Buchmesse die Rechte zu platzieren sei. Überflüssig zu betonen, dass dem nicht so ist – und die Messe das Hausrecht besitzt.

Laufkundschaft von Pegida und AfD

Dennoch haben die Kameraden von „Tichys Einblick“ das „Mimimi“ bereits in einen Artikel überführt und sprechen von Ausgrenzung in „eine Art Ghetto“. „Laufkundschaft“ würde sich dorthin nicht verirren. Muss sie nicht, Interessierte dürften sich sowieso regelmäßig bei der AfD oder „Pegida“ über den Weg laufen.

Es ist die übliche Opferinszenierung, der sich die rechten Verlage als strategisches Mittel bedienen. Diese wirkt oft handlungsbestimmend, weil sie einen vorauseilenden Gehorsam provoziert, um Rechtsaußen die Opferrolle zu verweigern. Man sollte sich besser nicht darauf einlassen, bislang hat es nie etwas gebracht. AfD and friends konstruieren sich immer als Opfer – das ist in ihrer behaupteten Umvolkungsangst bereits angelegt.

Kein Opferstatus für Björn Höcke

Und wer, wie „Manuscriptum“, Björn Höcke ein Podium bietet und mit Publikationen wie beispielsweise „Homosexualität gibt es nicht“ (Andreas Lombard) einen einzigartig emanzipatorischen Rollback im Geiste patriarchatsbesessener Heimatfantasien im Programm hat, dürfte aus dem Opferraster sowieso herausfallen.

Ebenso Martin Sellner, der mit dem Mit-uns-redet-niemand-Jammer-Modus niemals den inhaltlichen Austausch meint, sondern einzig die mainstreamadäquate Plattform benötigt. Die gibt es für die Herren der „JF“ oder Höcke auch in der Sackgasse. Insofern passt alles auf der Frankfurter Buchmesse.

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