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Reality-Shows im Privatfernsehen Nackte Katastrophen im Privat-TV

Im Privat-TV grassieren die schlüpfrigsten Reality-Shows. Von Porno-Angeboten sind sie kaum noch zu unterscheiden. Die Kolumne.

"Love Island" bei RTL II
Wie weit wollen die Privatsender noch gehen? Foto: RTL II

Es ist leicht, mich zu beeindrucken. Jemand muss nur irgendetwas können oder wissen, von dem ich keine Ahnung habe. Da kommt vieles in Frage. Aber was mag zu meiner fatalen Neigung geführt haben, die Reality-Shows im Privatfernsehen anzusehen? Die füllen selten Lücken in meinem Können und Wissen. Ich bin ganz allein draufgekommen, dass auch Dussel, Loser, Tussis, sich selbst Überschätzende, auf das Äußere Fixierte, wortschatzarme Wüteriche zur Bevölkerung gehören. Solche Leute sind das Personal von Sendungen, die sich als „Reality“ verkleiden und verkaufen.

„Bachelor“, „Dschungelcamp“ - alles Katastrophen

Ich habe einen Beruf, zu dem die Beobachtung der allgemeinen Lage gehört. Mir fallen im Fernsehen neue grobe Sitten auf, von denen mein Freundeskreis, der solche Sendungen umgeht, nichts ahnt. Das alles hat sich aber jemand ausgedacht und durchgesetzt und Geld verdient. Man sollte es beachten, weil es keine Randerscheinung ist.

Die Kandidaten können nach dem ersten Auftritt durch weitere Formate wandern – wie „Bachelor“, „Bachelorette“, „Dschungelcamp“, „Promiboxen“, „Das perfekte Dinner“, „Germany’s Next Topmodel“. Sie müssen nicht gesiegt haben – es reicht, wenn sie irgendwie aufgefallen sind.

Sie werden Promis genannt und gehen für Geld zu Filmpremieren und Schmuckladeneröffnungen. Sie erscheinen leicht nachahmbar, Promis setzen Maßstäbe für ein Leben ohne Leistung. Vor ein paar Tagen ging „Das Sommerhaus der Stars“ zu Ende. Stars, nun ja. Einige Teilnehmer kannte ich aus anderen Formaten dieser Liga.

Hoffnung auf die Siegprämie von 50000 Euro

Als das erste Paar eintrifft, bedankt sich Helena Fürst (u. a. „Dschungelcamp“), dass Ennesto Monte (Schlagersänger) ihren Koffer getragen hat. Er entscheidet sich ab sofort für eine Tonlage: „Dafür musst du mir heute Abend einen blasen!“

Bei einem Wettbewerb geht es um übereinstimmende Antworten, was die erotischen Zonen der Partnerin betrifft. Ludwig Heer („Das perfekte Dinner“), der Freund von Giulia Siegel (u. a. „Dschungelcamp“), will diskret sein: Er bezeichnet den Nacken als erogene Zone seiner Partnerin. Giulia regt sich richtig auf: „Mein Nacken? Was für ein Quatsch! Du weißt doch, dass es meine Muschi ist!“

Bei einem ähnlichen Partnertest soll die Lieblingsstellung der Frau ausgerufen werden. „Von hinten. Schubkarre“, sagt einer und zeigt auch gleich die Position, die ein Schubkarrenschieber gewöhnlich einnimmt. Immerhin gab es dieses Mal eine Übereinstimmung. Wie übel muss einer dran sein, mit der Hoffnung auf die Siegprämie von 50000 Euro so etwas im Fernsehen zu erzählen?

Gerade begann auf RTL 2 „Love Island – heiße Flirts & wahre Liebe“. Singles treffen sich auf einer Insel. Die Männer suchen sich die Frauen aus. Paare entstehen in Augenblicken und schlafen in einem Bett. Wer keinen Interessenten findet, muss gehen. Sex ist erwünscht, 69 Kameras beobachten, ob was passiert. Single-Zuschauer können sich als Nachrücker bewerben – „körperbewusste Frauen und Männer zwischen 18 und 35 Jahren, die das Scheinwerferlicht und die Eroberung lieben“ – und auf der Insel mitmachen.

Gleich im Anschluss an das Finale von „Love Island“ werden Folgen von „UNdressed – Das Date im Bett“ beginnen. Singles lernen sich nackt im Bett kennen. Und dann? Wie weit wollen die Privaten außerhalb der Pornoangebote gehen?

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