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Papst Franziskus Der Papst, ein argentinischer Macho?

Papst Franziskus ist ein guter Kerl. Aber überzeugen kann er trotzdem nicht immer. Was hat er gegen die Familiengründung gleichgeschlechtlicher Paare? Die Kolumne.

Rom
Was hat der Papst gegen gleichgeschlechtliche Paare, die eine Familie gründen? Foto: dpa

Eigentlich – man möge staunen – bin ich der Meinung, dass der Papst ein guter Kerl ist. Ich behaupte das nicht, weil der von mir sehr geschätzte Wim Wenders – der nachgewiesenermaßen ebenfalls ein guter Kerl ist – einen formidablen Film über den Papst gemacht hat, der die Grundaussage vermittelt, dass der Papst ein guter Kerl sei. Nein, darum geht es mir gar nicht.

Ich fand schon vor dem Film, dass der heurige Papst vieles richtig macht. Er trägt keine albernen roten Schühchen, lässt sich in einem Kleinwagen kutschieren, residiert nicht im päpstlichen Protzpalast, und er blies unserem Limburger Angeberbischof den Marsch, als der sich mit heiligem Penunz einen ebensolchen bauen wollte. Alles nette Ansätze.

Auch jetzt wieder. Hat doch der Papst verkündet, dass seiner Ansicht nach nur Frauen und Männer eine Familie sein könnten – und Schwule eben nicht. Der Grund: Eine Familie sei das Ebenbild Gottes, und das seien einzig Mann und Frau.

Das ist prima, lieber Papst. Auch ich habe mir Gott schon immer vorgestellt wie eine junge Familie im Frankfurter Nordend oder in Berlin Prenzlauer Berg, Mann, Frau, zwei Kinder, die im SUV vor den Öko-Supermarkt fährt, um dort glutenfrei einzukaufen.

Und da auch der Papst grad so schön in Fahrt war, schob er gleich noch einen nach. Er lobte Frauen, die ihren fremdgehenden Kerlen vergeben, denn das sei die Heiligkeit, die aus Liebe alles vergibt. Da kam dann wohl der argentinische Macho im Heiligen Vater durch, denn liederlichen Weibsbildern solle selbstredend nicht verziehen werden.

Das Ende der Einlaufkinder

Doch der Papst wäre nicht der Pontifex Maximus, bergen seinen Worte nicht mehr Tiefgang, als der unbedarfte Laie vermutet. Ich habe mich damit beschäftigt und ahne die wahren Gründe. Man stelle sich vor, die gleichgeschlechtliche Familie käme mehr und mehr in Mode, was wäre mittelfristig die logische und zwingende Folge? Richtig. Es gäbe irgendwann keine Einlaufkinder mehr.

Für die nun Stutzenden: Das hat nichts mit Auslauf zu tun, nichts mit Auflauf oder Ablauf, auch ist nicht von einem Hausmittel gegen Darmträgheit die Rede. Es handelt sich vielmehr um einen Fachbegriff aus der Fußballsprache.

Einlaufkinder sind jene verunsicherten Kleinen, die an der Hand der ins Stadion einlaufenden Spieler mit auf den Platz tapsen und sich dort dann verwundert anhören müssen, wie die Kicker ihre Nationalhymnen krächzen. Eines der Kinder darf sogar für die Schiedsrichter den Ball tragen.

Der Beginn der Einlaufgreise

Das ist klar im Vorteil, denn die Unparteiischen singen nicht. Ohne diese Einlaufkinder wäre der moderne Fußball nicht mehr vorstellbar, schon gar nicht die Übertragung eines Spiels im Fernsehen. Das hat sogar der Marktführer in Sachen gesunde und ausgewogene Ernährung für Kinder und Sportler erkannt. Deswegen prangt seit einiger Zeit auf den Leibchen der Einlaufkinder dick und fett das Logo von McDonald’s.

Aber muss man dafür eigens gleichgeschlechtliche Liebe verbieten? Lieber Papst, ein Vorschlag zur Güte und zur Rettung des Fußballs: Lassen wir doch Lesben und Schwule Familien gründen, denn unsere Gesellschaft wird sowieso altern. Das ist eine klar belegbare demografische Entwicklung, der auch der Fußball Rechnung tragen sollte. Wie wäre es also künftig mit Einlaufgreisen?

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