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Öko-Bilanz Kinder sind schlecht für die Umwelt

Besonders gut für die Umwelt ist es, je ein Kind weniger in die Welt zu setzen. Das muss natürlich Konsequenzen haben. Fragt sich nur, welche. Die Kolumne.

Kinder
Zwei Kinder ist eines zuviel. Foto: Imago

Es gibt vieles, was sich für eine gute Öko-Bilanz tun lässt. Dachte ich früher. Das Auto stehen lassen und zu Fuß Brötchen holen. Die Einweg-Kaffeekapseln streichen und sich für das gleiche Geld ganz viele Kaffeebohnen kaufen. Papier, das nur einseitig bedruckt ist, den Kindern zum Bemalen geben.

Inzwischen ist bekannt: Das alles sind lauter Maßnahmen, die einen ein bisschen auf Trab halten und ein gutes Gefühl vermitteln, mehr allerdings auch nicht. Schön für das Gewissen, eher nutzlos für die Umwelt, wie eine wissenschaftliche Veröffentlichung jüngst herausgearbeitet hat.

Zwei Forscher haben frühere Studien und Berechnungen analysiert und im Fachblatt „Environmental Research Letters“ folgende Empfehlungen veröffentlicht: Besonders viel CO2-Ausstoß lässt sich sparen, wenn die Menschen in den Industrienationen auf Flugreisen und ein eigenes Auto verzichten, sich pflanzlich ernähren – und je ein Kind weniger in die Welt setzen.

Schlecht, dass mehr Kinder (CO2-Produzenten) geboren werden

Der Verzicht auf Nachwuchs ist dabei die eigentlich wirksame Maßnahme. Bei den Berechnungen wurde sogar berücksichtigt, dass das weggelassene Kind der Umwelt weitere Nachkommen erspart, die sonst ihrerseits Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre gepustet hätten. Recycling und Stromsparen sind demnach, wenn man ihre Wirkung betrachtet, aus ökologischer Sicht geradezu lächerlich.

Die Idee ist nicht neu: Schon vor zehn Jahren geisterten Studien, die Kinder mit Langstreckenflügen verrechneten und zur Klima-Katastrophe erklärten, durch die Medien. Nicht zum ersten Mal ist die Empfehlung zu lesen, „schon ein Kind weniger“ könnte die Umwelt retten.

Gut, dass Deutschland mit den überschaubaren Geburtenzahlen einen wichtigen Beitrag leistet, der mit noch so vielen Abgas-Plaketten nicht konkurrieren kann. Aus dieser Sicht aber schlecht, dass neuerdings wieder mehr Kinder (lies: CO2-Produzenten) geboren werden. Schließlich ist es gerade der Nachwuchs in den Industrienationen, den es zu vermeiden gilt, da ihm eine vorhersehbar umweltschädliche Lebensweise bevorstünde.

Hier und da liest man schon Aufforderungen zum Massensuizid

Was sich zuerst wie ein zynischer Scherz liest, ist in Wirklichkeit eine düstere Pointe geradezu biblischen Ausmaßes. Man kann noch so gründlich seinen Müll sortieren, schon das pure Dasein macht einen schuldig. Selbst der ungeborene Mensch ist vor allem ein potenzieller Umweltsünder.

Nach dieser Logik bleibt allerdings unklar, warum die Empfehlungen der Umweltforscher nicht weiter gehen. Warum nur „ein Kind weniger“, statt „so wenige Kinder wie möglich“?

Und was macht man mit den Kindern, die schon auf der Welt sind, insbesondere dann, wenn es auch noch überdurchschnittlich viele sind? So oft kann man gar nicht auf Fernreisen verzichten, um hier noch eine ökologische Absolution zu erreichen. Einzige Lösung: Man bringt zum Ausgleich jemanden um die Ecke.

Das ist das Revolutionäre hinter der Klima-Meldung: Der Verzicht auf Leben sollte neu bewertet werden. Hier und da liest man schon Aufforderungen zum Massensuizid.

Die verbesserte Öko-Bilanz müsste auch bei gewaltsamen Todesfällen bedacht werden. So sollte es vor Gericht als strafmindernd ausgelegt werden, wenn ein Mordopfer ein Fleischesser mit Vielfliegerbonuskarte auf dem Höhepunkt seiner Fruchtbarkeit war.

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