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„Merkel muss weg“ in Hamburg Pegida auf hanseatisch

1. UpdateIn Hamburg schart sich ein Völkchen um Aktivistin Uta Ogilvie, das sich nicht nur aus Bildungsbürgern speist. Der Slogan „Merkel muss weg“ bedient auch den rechten Rand. Die Kolumne.

Hamburg
"Merkel muss weg" finden die Demonstranten am Hamburger Jungfernstieg. Den Slogan kennen wir auf Dresden. Foto: dpa

Die Frau aus dem Hamburger Umland ist unzufrieden mit der Merkel-Regierung. Daher hat Uta Ogilvie auf ein altrosa Pappschild „Merkel muss weg“ gepinselt und sammelt seit kurzem auf dem Jungfernstieg immer montags ein Völkchen hinter sich, das sich mitnichten nur aus dem bürgerlichen Milieu der Hansestadt speist.  

Auf Youtube gab die Aktivistin bereits ihr erstes Interview – und zwar dem Hamburger Autor Oliver Flesch. Der war früher bei „Bild“, schreibt jedoch mittlerweile für die rechtsextremen PI-News und erklärt parallel auf seinem Maskulisten-Blog „Wahre Männer“, „wie Du jede Frau süchtig vögelst“. Ogilvies Steckenpferdchen ist die Energie, erfährt man, und ein Auslöser für ihren Aktivismus sei eine Aussage der Grünen-Chefin Annalena Baerbock  gewesen, wonach das „Energienetz ein Stromspeicher“ sei. Nach diesem „Unfug“ musste sie endlich mal „was tun“.

Merkel steht für Flüchtlingspolitik

Tun, das klingt schon sehr konspirativ, aber wieso trifft es hier Angela Merkel? Die sei eben die Chefin, und „mit der Chefin steht und fällt alles“. Vor allem steht Merkel für die Flüchtlingspolitik: „Wenn man mich mit Geld irgendwo hin lockt, da gehe ich im Zweifel auch hin“, kommt es scheinbar verständig, doch pflegt Ogilvie im Duktus der Rechten genau die Mär von einer Kanzlerin, die die Menschen gezielt nach Deutschland lotse. In den gängigen „Merkel-muss-weg“-Kreisen ist der Plan einer sogenannten „Umvolkung“ längst offen formulierter „Fakt“.

„Es ist nicht nachvollziehbar, warum die Antifa sich für Merkel engagiert“, sagt Ogilvie. Die müssten sie „ideologietechnisch“ doch eigentlich sie unterstützen, findet die Aktivistin, die sich vor den „Antifanten“ (U.O.) von kampferprobten Kerlen aus dem rechten Milieu schützen lässt. Einer davon ist Thomas Gardlo, laut O. Flesch ein „Killer“, dem eine Vergangenheit in der Neonazi-Szene nachgesagt wird und der die rechtsextreme „Identitäre Bewegung“ im Kampfsport trainieren soll.

Mit Gardlo („Togger“ – ehemals Bodyguard von Ronald Schill) ist die Vorstadtbürgerliche auf Facebook übrigens schon länger in Kontakt, und entsprechend ist es kaum Zufall, dass die „Identitären“ beim letzten Anti-Merkel-Event  am Start waren. Auch der vorbestrafte Pegida-Gründer Lutz Bachmann rührte auf Twitter („für alle Patrioten in der Nähe Pflichttermin“) fleißig die Werbetrommel. Was wäre das für ein Fest, wenn in der Hansestadt – unter einem rosa Pappschild pseudo-bürgerlich gelabelt – Pegida etwas Ergänzung erführe, und zwar derart, wie sie es im AfD-Mekka Sachsen noch nie hinbekommen haben.

Matthias Matussek mag die „Identitären“

Uta Ogilvie gibt sich in ihrem Talk beeindruckend weltfremd: „Wenn ich geahnt hätte, was ich damit lostreten würde“,  flötet sie – was insofern unglaubwürdig ist, als sich nicht nur ein illustres Personal aus halbseidenen Neonazis und antifeministischen Bloggern um sie schart, sondern sie mit ihrer Parole auf altbekannter Klaviatur spielt. Nur so hat sie es geschafft, sämtliche Rechtsaußen zum Jungfernsteg zu ködern, die eben seit AfD und Pegida wissen, wer sich hinter einem „Merkel-muss-weg“-Schild so alles sammelt. Das sind eben nicht nur die, die legitime Unzufriedenheit mit Merkel kommunizieren wollen.

Unter den Demonstranten fand sich auch Autor Matthias Matussek, der seine Zuneigung gegenüber den „Identitären“ schon öfter bekundete. Hier sieht er sich von „feinem Hamburger Bürgertum“ (auf „Tichys Einblick“) umgeben. Ob er den laut „Exif“-Recherche-Portal anwesenden Mix aus NPD, „Identitären“ und Nazi-Hools mitgemeint hat? In jedem Fall meinte er Uta Ogilvie, die trotz altrosa Pappe dann doch allgemein richtig verstanden wurde.  

Nachtrag: Auf Facebook kündigt Uta Ogilvie an, die Organisation der „Merkel muss weg“-Demo aufzugeben. 

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