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Kolumne Vorsicht vor den Pannenhelfern

Es gibt viele, die den politischen Absturz nach den Ereignissen dieses Jahres verhindern wollen. Sie sind nicht immer hilfreich - die Kolumne.

Netzwerk "Breitbart": Grüße von dem Rassisten Steve Bannon. Foto: screenshot

Auf dem Weg zum Abgrund kann eine Panne lebensrettend sein“, erinnere ich einen gern zitierten Spruch von Walter Jens. Lasse ich die Abgründe des laufenden Jahres Revue passieren, frage ich mich, wo waren hilfreiche Pannen? War es etwa Donald Trumps Sieg? Als lebensrettendes Signal über den Atlantik, weil den Europäern die Augen aufgehen werden, dass sie als Wähler mit ihrem Votum für Wilders, Le Pen, die FPÖ und die AfD das politische Gefüge der EU aus den Angeln heben könnten? Ich zweifle, was die pädagogische Pannenwirkung betrifft.

„Wir erkennen gerade, dass die Demokratie kein Selbstläufer ist“, dass wir unsere Institutionen ständig erneuern müssen, und „dass die Vereinigten Staaten, solange sie nicht imstande sind, ihr politisches System in Ordnung zu bringen, darauf verzichten sollten, der Welt demokratische Werte zu predigen.“ Das sagte der US-Politikwissenschaftler Francis Fukuyama im März in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“. Einen Trump-Sieg wollte er schon damals, als man sich hierzulande noch über den Polit-Hooligan vor Lachen schüttelte, nicht ganz ausschließen.

Wenn das Pannenbild weiter strapaziert werden soll – dann Vorsicht vor den Pannenhelfern, die versprechen, sie würden das Fahrzeug schon wieder flott machen, damit wir das abgründige Ziel nicht verfehlen. Sie kommen in virtueller Gestalt, verkleidet als Social Media und Fakebook oder Facebook – die Grenzen sind fließend –, geben in Blogs und Bots unzählige Ratschläge, dass einem der Schädel brummt und verdammen jeden, der eine andere als allein ihre Wahrheit propagiert.

Viele merken nicht, dass es einzig darum geht, die Karre in den Abgrund zu schicken, oder wenigstens in den Dreck zu fahren, statt sie auf sichere Straßen zu navigieren. Internetportale breiten sich aus, die uns Nachrichten aus dem rechten Paralleluniversum senden. Sie nennen sich „Politically incorrect“, „Contra Magazin“, „Compact“. Eine umfassende Aufzählung sprengt den Rahmen einer Kolumne. Sie nehmen für sich die „absolute Pressefreiheit“ in Anspruch, bezeichnen sich als „kritisches Sprachrohr“ für ein „freies pluralistisches Europa“, weshalb schon mal eine Redaktionsadresse auf den Seychellen und der Server in Uruguay zu finden sind. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, falls Hasspropaganda oder diffamierende Lügen mal justiziabel werden sollten.

Als ob es noch nicht genug davon gäbe, haben wir demnächst auch die Nachrichten- und Meinungswebsite „Breitbart“ in deutscher Sprache auf dem Monitor – Grüße aus Amerika vom Rassisten Steve Bannon, dem vormaligen Breitbart-Chef und ernannten Chefstrategen im Trump-Tower, demnächst im Weißen Haus. Mal sehen, wer aus deutschen Firmen nichts dagegen hat, dass für seine Produkte in diesem Lügen- und Hassgenerator geworben wird.

Breitbart, mit mehr als 30 Millionen Seitenaufrufen pro Monat besonders stark frequentiert, wird vor allem über Werbung finanziert und hat Kellogg’s gerade den Krieg erklärt, weil die Cornflakes-Firma, um ihren guten Ruf besorgt, alle Werbeverträge gestoppt hat. Inzwischen verzichtet auch BMW auf diesen Werbekanal – also wurde noch rechtzeitig gebremst vor dem Abgrund. Hoffentlich bewerten das einige in der Chefetage nicht als Panne, wenn Breitbart auch in Deutschland mal richtig erfolgreich wird.

Klaus Staeck ist Grafiker.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

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