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Kolumne Ohne Schlüpfer und andere Tricks

Ladendiebstahl hat zu bestimmten Zeiten Konjunktur? Und so mancher „Langfinger“ ist auf den zweiten Blick gar keiner.

Manchmal wundert man sich, wenn sich persönliche Beobachtungen mit statistischen Zahlen decken. Die meisten Diebstähle – keine Einbrüche, nur öffentliches Klauen – passieren beispielsweise samstags zwischen 14 und 16 Uhr. Das steht in einer Polizeistatistik.

Letzten Samstag stellte sich vor einem Laden einer Klamottenkette am Alexanderplatz in Berlin ein großer Sicherheitsmann einem kleinen Mann mit Kind in den Weg. Es ging um Ladendiebstahl. Der kleine Mann wehrte sich, er versuchte zu fliehen, aber nach wenigen Sprüngen fiel ihm das Kind ein, er kehrte zurück. Der Security brachte beide in einen Raum hinter der Verkaufsfläche. Das Kind führte er sanft, den Mann hielt er im eisernen Griff. Das war um 14 Uhr. Ich weiß es, weil ich da den Laden wegen anderer Erledigungen verlassen musste.

Um 16 Uhr packte ich in einer Filiale einer Lebensmittelkette meine Einkäufe ein. Es wurde laut. Zwei Angestellte und eine Kundin stoppten einen glatzköpfigen Mann im Rollstuhl. Der hatte Saft und Kekse gestohlen und schlug mit langen Armen um sich. Die Angestellten informierten die Polizei. Der Mann, abgerissen, betrunken, verzweifelt, fasste an die Räder und versuchte zu fliehen.

Die Kundin hing jetzt am Rollstuhl des Mannes – wie ein Autoreifen, den Leistungssportler beim Lauftraining hinter sich herziehen. Aber vielleicht wollte der Mann aus einem ganz anderem Grund schnellstens raus, jedenfalls pinkelte er durch Hose und Rollstuhl plätschernd auf die Bodenfliesen. Zuschauer erschauerten. „Widerlich!“ schrie jemand.

Fast die Hälfte aller Straftaten sind solche und ähnliche Diebstähle. 2016 wurden in der Hauptstadt etwa 50 000 Taschendiebstähle angezeigt und 6,4 Prozent aufgeklärt. Es ist das Delikt mit der niedrigsten Aufklärungsquote und typisch für Großstädte. 2017 wird es seltener, aber mir hat trotzdem jemand das Portemonnaie mit Karten und Ausweisen gestohlen. Eigentlich mache ich die Umhängetasche immer zu, nur dieses eine Mal stand sie offen, weil eine Röntgenaufnahme nicht geknickt werden sollte.

Meiner Schwester folgte ihrem Verdacht sofort: Sie hatte bei Zara ihre Tasche an einen Haken gehängt und betrachtete sich mit einem neuen Teil im Spiegel. Aus dem Augenwinkel sah sie eine fremde Frau: Die befühlte die Tasche und griff hinein. Meine Schwester schlug Alarm. Es stellte sich dann heraus, dass die Frau nur nach dem Preis gesucht hatte, weil sie die schöne Tasche am Haken kaufen wollte.

Ich weiß, dass man sich von Fremden nicht antanzen lassen darf. Ich weiß, dass böse Menschen ein Bettelschild auf den Restauranttisch stellen, die Handys so verdecken und klauen. Einer Führungskraft von Springer ist das passiert. Ich saß daneben und habe nichts gemerkt. Der Mann hat sich nie mehr gemeldet, er denkt wohl, dass ich ihm Unglück bringe.

Einen anderen Trick hat meine Freundin Antje erlebt. Ihr gehört ein feiner Kleiderladen in Berlin-Mitte. Drei Frauen mit langen Röcken hatten in den Waren gewühlt und waren am Weggehen. Bei einer stach ein Kleiderbügel durch den extrem aufgeplusterten Rock. Antje hielt sie auf und zog unten Stück für Stück Gestohlenes raus, bis die Frau floh, mit der zweiten. Die dritte hob ihren Rock. Sie trug keinen Schlüpfer. Antje ließ die Frau dann auch wegrennen, weil sie nicht wusste, wo sie die hätte festhalten können.

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