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Kolumne Mit der Hacke gegen Grabowski

Wenn der Opa dem Maulwurf zu Leibe rückt, sollten die Enkel ruhig mal protestieren. Denn die Hügel zeigen in Wahrheit einen nützlichen Helfer im Garten an.

Die Spitzhacke wird für so manchen Menschen zur Waffe der Wahl, wenn er die verräterischen Erdhügel auf seinem dauergemähten Zierrasen entdeckt. Mit solch martialischem Gerät werden aber die wenigsten den unterirdischen Minischaufelbagger erwischen.

Es wäre auch schade um ihn, bei all dem Guten, das so ein Maulwurf dem Gartenliebhaber tut. Er durchlüftet und durchmischt den Boden, verzehrt all die bösen Käferlarven und anderes Ungetier, das die Wurzeln der Pflanzen abfrisst. Vegetarisches rührt er nicht an. Dazu taugt sein Insektenfressergebiss gar nicht. Dass ihm auch Regenwürmer zum Opfer fallen, ist kein Problem, denn deren unbestrittene Wohltaten im Boden macht er durch eigenes Wirken mehr als wett.

Eigentlich geben die Hügel Zeugnis von gesundem Leben im Boden. Da sollte man ein bisschen Auflockerung der überkommenen, oberflächlichen Optik (und des Bodens!) an sich gern in Kauf nehmen. Oder ist es vielleicht doch eher das subversive Wirken, welches ängstigt, unterirdisch, kaum kontrollierbar? Der Umsturz der Gartenordnung durch das Unterminieren von Normen?

Seit Jahrhunderten wird der Maulwurf bekämpft als vermeintlicher Schädling, weil kaum einer so recht weiß, wie er lebt. Das Ganze erinnert ein bisschen an den Fuchs, dem man auch mit allen Mitteln zugesetzt hat. Giftköder, Fallen, Gas, Feuerwaffen, Hunde. Nichts hat all das letztendlich genutzt und Reineke hat es geschafft, jetzt sogar mitten in der Großstadt zu überleben.

Womit ist man dem Maulwurf nicht alles zu Leibe gerückt, sogar Prämien wurden einst für sein Fell bezahlt. Und doch hat er wie der Fuchs überlebt. Heute ist er gesetzlich geschützt, man darf ihn nicht töten, ihm nicht einmal nachstellen, weder mit Fallen noch mit solch rüden Methoden wie der, einen Wasserschlauch in den Bau zu halten und voll aufzudrehen. Da soll der Opa, dem solche Barbarei einfällt, doch mal seinen Enkeln erklären, dass er gerade versucht, Grabowski zu ersäufen.

Vergrämen darf man den Maulwurf. Aber wohin soll man den Fast-Blindgänger verscheuchen? Im Nachbargrundstück wäre er gewiss nicht willkommener, solange auch dort Saubermänner den Rasen förmlich putzen. Wozu auch vertreiben? Es ist doch schön zu wissen, dass es unter der – langweiligen – Grasnabe Leben gibt, ein wenig unterirdische Wildnis sozusagen.

Die Natur darf ruhig Raum finden in den Gärten, in Grünanlagen und darunter. Man könnte ja mal etwas mehr Naturgarten wagen, gerade jetzt, wenn die Gartensaison zur Hochform aufläuft. In einer Wildblumenwiese stören die Maulwurfshügel nicht.

Viele Grünoasennutzer mögen es sowieso nicht, dass rundherum die Rasenmäher toben, wenn man doch eigentlich seine Ruhe genießen will. Bei einer wilden Wiese würde sich der lautstarke Einsatz rotierender Messer auf zweimalige Mahd im Jahr reduzieren.

Genau genommen hat vermutlich jeder, der Maulwürfe bekämpft, eigentlich etwas dagegen, dass sein Garten guten Boden hat. Denn nur dort siedelt der bepelzte Zwerg mit den riesigen Händen. Zugegeben, auf einem richtigen Fußballplatz würden die Hügel stören, aber da fühlt sich ein Maulwurf ohnedies nicht wohl.

Und was macht der geschickte Tunnelgräber, wenn die Spitzhacke von oben in seine Gänge gehauen wird? Er weicht aus und denkt wahrscheinlich: „Ich glaube, es hackt!“ Da hat er sicher recht.

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