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Kolumne Giftcocktails im Untergrund

Beim Fracking werden Öl und Gas freigepresst, die wir nicht brauchen. Ein neuer Irrweg der Energiepolitik.

Immer wieder kocht sie hoch, die Diskussion um das Fracking. Das Wort klingt elegant nach Frack, hat aber damit so wenig zu tun wie der Smoking mit dem Rauchen. Worum es dabei geht, wissen Fachleute und natürlich jene Bürger, deren Wohnort von den Vorhaben betroffen ist. Man muss sich einmal vorstellen, was da angerichtet wird. 

Mit hohem Druck werden Flüssigkeiten tief in den Untergrund gepresst, um dort Risse im Gestein zu erzeugen, aus denen dann Erdgas oder Erdöl, das sonst nicht mehr gefördert werden könnte, im wahrsten Sinne des Wortes freigepresst wird. Hydraulische Stimulation ist einer der verharmlosenden Begriffe, mit denen Fracking auf Deutsch übersetzt wird. 

Toll, da haben wir ja ganz neue Quellen für Erdgas und Erdöl, jubeln die Befürworter! Unsinn, argumentieren die Gegner, die brauchen wir nicht, denn wir wollen und brauchen eine Energieversorgung, die ganz auf fossile Brennstoffe verzichtet. 

In der Tat hat der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU), der die Bundesregierung berät, schon vor Jahren nachgewiesen, dass Fracking für die dringend notwendige Energiewende in unserer Republik nicht nötig ist und ihr im Gegenteil schadet. Mit Fracking rutschen unsere sowieso schon verfehlten Klimaschutzziele noch weiter ins Abseits. 

Besonders interessant ist die Frage, was in den Boden gepresst wird. Es ist nicht einfach harmloses Wasser. Welche Zusätze ihm beigegeben werden, wird von der Industrie nicht preisgegeben, aber das pauschal als giftigen Cocktail zu bezeichnen, ist keine Fehldeutung. 

Die Befürworter versichern, die Mixtur werde weit unterhalb der Grundwasser führenden Schichten eingeführt und könne deswegen keinen Schaden anrichten. Doch kein Mensch kann das garantieren. Wenn ganz ungewollt Risse in Gesteinsschichten gesprengt werden, die mit dem Grundwasser in Verbindung stehen, gibt es keine Möglichkeit, das jemals rückgängig zu machen. Und über Langzeitwirkungen und Spätfolgen gibt es keinerlei Studien und Erfahrungen. Spätestens damit sollte die Diskussion um Fracking eigentlich beendet sein, denn der Staat hat eine Pflicht zur Fürsorge und zur Risikovorsorge. 

Reicht es nicht, welche Last wir unseren Nachfolgegenerationen aufgebürdet haben mit dem Atommüll? Sollen wir ihnen nun auch noch das Risiko verseuchten Grundwassers hinterlassen, für Produkte, die völlig überflüssig sind? Was an befürwortenden Argumenten für das Fracking im Raum steht, ist rein finanzieller und energiestrategischer Natur. 

Geld und Energie auf Kosten von Gesundheit und Lebensqualität, damit eine völlig überholte Industriepolitik zu neuem Leben erweckt wird? Unser Wasser brauchen wir zudem für Lebensnotwendigeres als es mit unwägbaren Chemikaliencocktails in den Boden zu verpressen.

Lange hat es gedauert, bis die Atomenergie als Irrweg erkannt wurde. Wollen wir mit Fracking einen neuen Irrweg beschreiten? Naja, die Befürworter der Kernerenergie sind noch nicht ganz ausgestorben, trotz der bis heute anhaltenden Folgen von Tschernobyl und Fukushima. 

Die Suche eines Endlagers für das, was unsere „saubere“ Kernenergiepolitik hinterließ, ist bisher noch völlig ungelöst. Wie oft wollen wir es uns leisten, bei der Frage der Risikoabschätzung völlig danebenzugreifen? Aber es gibt ja auch noch Menschen die glauben, dass die Erde eine Scheibe sei. 

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