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Kolumne Draufhauen oder cool bleiben?

Parteien werben mit oder ohne Feindbilder für sich. Was hilft den Menschen dabei, sich zu entscheiden?

Nein!“, ertönte neulich auf der Straße die schneidende Stimme einer jungen Frau, die ein paar Häuser entfernt vor einem Eingang stand. „Nimm! Deine! Finger! Weg!“ Alarmiert beschleunigte ich, um Beistand zu leisten. Denn Belästigung war ja das Mindeste, was hier stattzufinden schien. Am Tatort angekommen, sah ich eine Endzwanzigerin mit kurzen Haaren und grimmigem Gesicht hinter einem Kinderwagen stehen. Aber sonst niemanden.

Erst als ich dem wütenden Blick der Frau folgte, entdeckte ich unterhalb des Kinderwagenlenkers einen etwa zweijährigen Jungen, der bittend zu ihr aufsah und dann mit piepsiger Stimme sagte: „Jetzt weitergehen, Mama.“ Offensichtlich hatte er sich irgendwo festgehalten, wo er nicht sollte, am Wagen oder ihrem Jackenzipfel, und das war der Tropfen gewesen, der das mütterliche Fass zum Überlaufen brachte. Ein zartes Wesen, das Kind, blond, keinen Meter groß und von seiner Mutter vollkommen abhängig. Genau das schien sie in diesem Augenblick nicht mehr aushalten zu können. Sie wehrte ihn ab wie einen Feind.

Mit Feindbildern versucht derzeit auch die sogenannte Alternative für Deutschland, plakativ ins politische Geschäft zu kommen. Und hier ist ebenfalls von hochgradiger Überforderung auszugehen. Der Abwehr- und Abgrenzungsreflex als Identitätssicherung ist eine beliebte Taktik, deren Ineffizienz psychologisch längst erwiesen ist, denn: Von der Tür, die man zuhalten muss, kommt man ja nicht weg …

Die CDU-Kampagne indessen nennt die Gegner zwar nicht, ist aber gleichermaßen auf Verteidigung fixiert: „Für mehr Respekt vor Familien“, „Für mehr Sicherheit und Ordnung“ – auch diese Leute sehen sich rundum bedroht. „Zeit für mehr Gerechtigkeit“ erhofft sich derweil die SPD, die für die offenbar herrschende Ungerechtigkeit in den vergangenen Jahren als Regierungspartnerin gleichwohl selbst verantwortlich war.

„Zukunft wird aus Mut gemacht“, wagen sich, schon etwas forscher, die Grünen hervor, lassen es allerdings offen, ob sie diesen Mut denn haben. Die Linke wiederum suhlt sich darin, die Schlechtigkeit der Welt zu betonen, woraufhin man sie – das Unbewusste kennt keine Verneinung – mit Begriffen wie „Altersarmut“, „Profite“ und „Pflegenotstand“ identifiziert.

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