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Kolumne Brandgefährliche Logik

Fakten sind egal, Meinung zählt. Dann ist auch schnell klar, wer schuld ist an der Feuerkatastrophe. Und warum löscht die Feuerwehr die Brände nicht einfach?

Waldbrände in Kalifornien
Waldbrände in Kalifornien: Der Präsident weiß, wer die Schuld trägt. Foto: dpa

Wie wunderbar, wenn Staatenlenker etwas vom Wald verstehen. So hat der US-amerikanische Präsident schnell und mit sicherem Blick erkannt, wer die Schuld trägt für die verheerenden Waldbrände in der Demokratenhochburg Kalifornien. Es sind die Forstbehörden. Es gäbe keinen Grund für die massiven, tödlichen und teuren Waldfeuer in Kalifornien, außer, dass das Management der Wälder dort schlecht sei. Jedes Jahr würden Milliarden ausgegeben und trotzdem koste es viele Menschenleben, alles nur wegen groben Missmanagements. Das hat er jetzt per Twitter mitgeteilt. Wenn das nicht sofort besser werde, kriegen sie keine Bundesmittel mehr.

Allerdings sind seit Jahren andere Gründe bekannt, in denen die Ursache für die verheerenden Brände zu finden ist. Die Wälder in allen Gebieten der USA zeigen deutlich messbare Folgen der Klimaerwärmung. Das haben Klimaforscher und Forstwissenschaftler schon vor einiger Zeit nachgewiesen. Gerade im Westen der USA sterben ganze Bestände wegen Temperaturanstiegs und erhöhter Trockenheit großflächig ab. Klimabedingte Waldschäden gibt es auch im Osten der Vereinigten Staaten. Nur sind die klimatischen, ökologischen und sozialen Verhältnisse dort etwas anders, weswegen solche Waldbrände (bisher?) ausblieben.

Die Befunde sind eindeutig: Die Anzahl der toten Bäume nimmt zu, ihr Wachstum stagniert. Die Wälder können sich nicht schnell genug an die klimabedingten Veränderungen anpassen. So gab es auch in den Vorjahren immer wieder Waldbrandkatastrophen, nicht nur in Kalifornien. Nur ist diesmal das Ausmaß in jeder Hinsicht viel schlimmer als je zuvor. Das kann einem Präsidenten, der den Klimawandel leugnet, natürlich gar nicht in den Kram passen. Und wozu braucht man Fakten, wenn man eine Meinung hat?

Da braucht man Schuldige, denn die materiellen Schäden sind hoch, die psychischen Belastungen der Bewohner traumatisch, und dann gibt es da noch mehrere Dutzend Tote, zum Teil verbrannt in ihren Autos auf der Flucht vor den Flammen. Ihre Zahl steigt weiter. Da geböten es Pietät und Würde eigentlich, etwas vorsichtiger zu sein mit Schnellschüssen zur Schuldfrage.

Gar widerlich wäre die Vorstellung, dass hier eine riesige menschliche und ökologische Tragödie von einem republikanischen Präsidenten politisch instrumentalisiert wird, um den Demokraten eines auszuwischen. Doch sie ist kaum von der Hand zu weisen. Denn die 40 Millionen Kalifornier haben bei den letzten Präsidentschaftswahlen mit überwältigender Mehrheit für Hillary Clinton und damit gegen Donald Trump gestimmt.

Wie viel einfacher ist da der Umgang mit aufmüpfigen Journalisten. Die kann man direkt beleidigen, ihnen befehlen sich hinzusetzen und den Mund zu halten, oder ihnen die Akkreditierung entziehen. Das ist zumindest undemokratisch. Doch den kalifornischen Forstbehörden die Schuld an den Toten zuzuweisen, das ist – um es in beiden Lagern zu formulieren – weder demokratisch noch republikanisch. Es fehlen einem die passenden Worte angesichts einer solchen Einschätzung.

Man darf gespannt sein, ob der Präsident nun wenigstens konsequent handelt. Dann müsste er in seiner brandgefährlichen Logik auch damit drohen, den kalifornischen Feuerwehrleuten die Gelder zu kürzen. Denn es klingt doch sehr nach Missmanagement, dass die nicht einfach mal schnell die Brände löschen.

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