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Kolumne Alte Masche

Rechtspopulisten loben Israel gerne - etwa für die Abschiebung von afrikanischen „Eindringlingen“. Das gefällt nicht allen Israelis.

Beim Mossad war Rafi Eitan mal eine ganz große Nummer. Einst hat er Adolf Eichmann in Argentinien geschnappt und in geheimer Operation nach Israel entführt. Heute ist Eitan, die lebende Geheimdienstlegende, fast 91 Jahre alt und höchstens noch Stargast der rechtsgestrickten Szene.

Manche Israelis wundern sich bei Rafi Eitan über gar nichts mehr. Der Mann schreckt vor keiner Peinlichkeit zurück, so auch dieser Tage, als er in einer Videobotschaft an die Alternative für Deutschland die deutschen Rechtspopulisten über den grünen Klee lobte.

Ihre Alternative für Deutschland werde sich noch als Alternative für den Rest Europas erweisen, gab Eitan darin seiner Hoffnung Ausdruck. „Die muslimische Masseneinwanderung“ müsse dringend gestoppt werden, weil sonst das Abendland verloren gehe.

Alexander Gauland dürfte sich ob diesen Zuspruchs aus dem Munde eines Israeli sehr gefreut haben. Sein Einfall, wohlgesinnte Juden zu einer AfD-Veranstaltung im Bundestag über das Thema Antisemitismus zu bitten, erwies sich als PR-Coup. Wieder mal zeige sich, trumpfte Gauland anschließend auf, „dass wir auf dem richtigen Weg sind“. Wohin? Nun ja, zur begehrten Salonfähigkeit, was sonst. Wenn die von namhaften Israelis attestiert wird, kann keiner was dagegen haben, oder?

Die Masche ist nicht neu. In den vergangenen Jahren sind immer wieder europäische Rechtspopulisten nach Israel gepilgert zwecks Austauschs mit Gleichgesinnten. Meist ging das diskret vonstatten. Premier Benjamin Netanjahu wollte offiziell sicher nichts erfahren.

„Bibi“, so sein Spitzname, schätzt zwar machtbesessene Kerle vom Schlage eines Donald Trump oder Viktor Orban. Doch zur Liga der Vox-Populi-Parteien von Gauland, Le Pen und Strache, in denen verkappte Neonazis mitmischen, hält er lieber Abstand. Zumindest bislang noch. Denn deren Umarmungsstrategie, an Israel aber auch gar nichts auszusetzen zu haben, nicht mal die Siedlungspolitik im tiefsten Westjordanland, kommt bei nicht wenigen Anhängern Netanjahus eigentlich gut an.

Unmissverständlich allerdings hat Avi Issacharoff, der israelische Botschafter in Berlin, die Lobeshymne von Rafi Eitan auf die AfD gerüffelt. Es sei geradezu beschämend, wenn ein Mann, der Eichmann, den Manager der Massendeportation von Juden in die Vernichtungslager, vor Gericht gebracht habe, nun deutschen Verklärern der Nazivergangenheit huldige.

Das finden übrigens auch viele in der jüdischen Diaspora sowie der israelischen Opposition. Sie wollen mit falschen Freuden von der AfD nichts zu tun haben. Der gescholtene Eitan räumte inzwischen ein, sich womöglich geirrt zu haben.

Blamabel bleibt dennoch, dass der Meisteragent in eine „Honigfalle“ der AfD tappte. Als Lockmittel diente ihr völlig unmaßgebliches Bekenntnis zu einer Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt, das Eitan offenbar verzückte.

Die fragwürdigen Verehrer aus den Bundestagsreihen rechtsaußen werden die Israelis so oder so nicht los, vermute ich mal. Die Homepage der Alternative für Deutschland preist Israel ausdrücklich als leuchtendes Vorbild in der Abwehr sowie bei der Abschiebung afrikanischer „Eindringlinge“, andernorts Flüchtlinge genannt. Das fällt wohl unter die Rubrik gemeinsame Werte, die „wahre“ Freunde bekanntlich teilen.

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