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Klimaziele Klimaschutz ist Überlebensstrategie

Wenn ein Flug von Singapur nach Berlin 175 Euro kostet, dann darf man sich nicht wundern, dass Deutschland das Klimaziel nicht erreicht. Die Kolumne.

Klimaschutz
Tausende Menschen demonstrieren für raschen Kohleausstieg. Foto: epd

Auf dem Weg, seine Klimaschutz-Ziele zu erreichen, kommt Deutschland nicht voran. Statt – wie geplant – bis 2020 die klimaschädlichen Emissionen im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent zu senken, haben wir bestenfalls mit einem Minus von etwa 32 Prozent zu rechnen. Das liegt zum größten Teil am Stromexport deutscher Kohlekraftwerke, aber auch der vom Verkehr verursachte Schadstoffausstoß hat selbstverständlich seinen Anteil daran, dass von einer wirklichen Energiewende keine Rede sein kann. 

Deutschland tritt auf der Stelle

Erinnert sei an das Pariser Abkommen, mit dem vor drei Jahren weltweit die Hoffnung geweckt wurde, wir könnten den erwarteten Anstieg der Erdtemperatur auf unter zwei Grad begrenzen, um auch für die nächsten Generationen einen stabilen Meeresspiegel wie auch eine ausreichende Nahrungsmittelproduktion zu sichern. Bis 2050 dürfte Deutschland nur noch 9,9 Milliarden Tonnen CO2 produzieren, pro Jahr 217 Millionen Tonnen. Genau diese Menge hatten wir bereits am 28. März erreicht, leben somit noch ein Dreivierteljahr auf Pump. Bundesumweltministerin Swenja Schulze hat das vor ein paar Tagen bestätigt: „Vor allem wurde überschätzt, was die bisherigen Maßnahmen bewirken. Sie reichen schlicht nicht.“

Auch der „Petersberger Klimadialog“ zur Vorbereitung des nächsten Klimagipfels am Jahresende in Kattowitz machte wenig Hoffnung, obwohl einige Länder beim Klimaschutz aufgeholt haben – Deutschland aber tritt auf der Stelle. Ich unterschätze keineswegs das Problem, um den Preis des sozialen Friedens einen dringend notwendigen Ausstieg aus der Kohle für die Energieproduktion mit Augenmaß und teuren Fördermaßnahmen für die Menschen in den Kohlegebieten verträglich zu gestalten. 

Zielgruppe des Berliner Flughafenchefs: die „Millenials“

Aber wie soll man einem Energiearbeiter erklären, dass sein Job aus Gründen des Klimaschutzes zur Disposition steht, während der Einstieg eines südostasiatischen Luftfahrtunternehmens in den deutschen Billigflieger-Markt in Berlin mit einer Art Staatsakt gefeiert wird? Ein Zwölf-Stunden-Flug für 175 Euro mit „Scoot“ von Singapur nach Berlin-Tegel war das Superschnäppchen der vergangenen Woche. Der Preis wird sicher noch etwas steigen, aber da die Fluggesellschaft und der Berliner Flughafenchef auf das junge Publikum der „Millenials“ setzen, das sich ins Berliner Partygetümmel stürzen will, darf es auch nicht zu teuer werden. Tegel verdient nichts daran, Fragen nach Kerosinsteuer und Mehrwertsteuer für internationale Flüge erübrigen sich – Hauptsache, endlich wieder eine Non-stop-Langstreckenverbindung in die deutsche Hauptstadt. 

Der Luftverkehr wächst weltweit um vier Prozent pro Jahr, allein seine CO2-Emissionen tragen zu fünf Prozent zur globalen Erwärmung bei, weitere Stickoxide in den höheren Luftschichten vergrößern die Negativwirkung auf das Klima. Für den Singapur-Berlin-Trip sollte jedem Flugpassagier als kleine Aufmerksamkeit im Namen der Weltbevölkerung ein T-Shirt überreicht werden. Mein Textvorschlag „Ich habe 2,57 t CO2 mit nur einem Flug erreicht.“ Das soll dem Verbrauch eines Durchschnitts-Berliners für fünf Monate entsprechen. 

Es reicht nicht, Klimapolitik nur in die Hände der Politiker zu legen, von einem Klimagipfel zum nächsten auf die alles lösenden Entscheidungen zu warten. Wenn das Bewusstsein jedes Einzelnen nicht wächst, dass wir alle unseren Teil der Verantwortung tragen müssen, dass Klimaschutz Überlebensstrategie ist, wird sich die Frage nach den billigsten Flügen um die Welt bald von selbst lösen.

Klaus Staeck ist Grafiker.

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