Lade Inhalte...

Jamaika Armseliges Koalitionsgerangel der Grünen

Um wichtige Dinge durchzusetzen, muss man überzeugt sein und dafür einstehen können. Sonst wird das nichts - weder mit den Grünen noch mit dem Land. Die Kolumne.

Scheitern der Jamaika-Sondierungen
Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt: endlich Rückgrat zeigen. Foto: dpa

Eigentlich sind Weicheier nützliche Idioten. Keiner mag sie, erst recht schaut niemand zu ihnen auf. Aber alle wissen, man kann sich auf sie verlassen – und zwar immer, wenn etwas ansteht, das keiner machen möchte. Sie erledigen das dann, weil sie nicht genügend Rückgrat haben, sich dagegen zu widersetzen.

Schon in der Schule holten sie die Karten für Erdkunde, sie spülten in der Jugendherberge das Geschirr, und wenn im Bus nur noch ein Platz frei war, setzten sie sich nach vorne neben den Lehrer. Ihr Leben ist eine Aneinanderreihung von Kompromissen, frei nach dem Motto „Es reicht nicht, keine eigene Meinung zu haben, man muss auch unfähig sein, sie durchzusetzen“.

Es muss nicht nur Häuptlinge geben

Solche schaffen es nie ganz nach oben. Nicht zum Klassensprecher, später nicht zum Direktor oder gar Vorstandsvorsitzenden. Sie geben bestenfalls passable Abteilungsleiter ab, emsige Aktentaschenträger oder beflissene Dienstleister.

Meistens aber verschwinden sie in der grauen Masse. Es sind blasse Menschen, sie finden einen anderen blassen Menschen, feiern mit ihm eine blasse Hochzeit, kriegen blasse Kinder, bewohnen blasse Doppelhaushälften, ausgelegt mit blassem Laminatimitat. Sie essen blasse Würste und machen blasse Urlaube in blassen Gegenden – vorausgesetzt, sie kommen dort an, denn häufig bleiben sie am Check-in stehen, da der Flieger überbucht war. Eine üppige Entschädigung erhalten sie dafür nicht, da sie nicht fähig sind, darauf zu bestehen. Also geben sie sich zufrieden mit einem Fläschchen Mineralwasser und einer halben Packung blasser Doppelkekse.

Solche Leute sind aber wichtig, werden Sie nun sagen, ohne sie funktioniert keine Gesellschaft. Das stimmt, es muss nicht nur Häuptlinge geben, sondern auch Indianer. Aber auch ein Indianer sollte einen Arsch in der Hose haben und nicht zu allem Ja und Amen sagen. Denn nur zu häufig gerät eine graue Masse der Rückgratlosen in Wallung und entwickelt eine Eigendynamik, der dann wenig entgegenzusetzen ist.

Chapeau, FDP

Sie richtet sich in der Regel gegen vermeintlich Schwächere, denn nach oben buckeln und nach unten treten haben die Blassen in Fleisch und Blut. Und wenn viele mitmachen, fällt das Treten umso leichter. Wohin das führen kann, wissen wir Deutsche mit unserer braunen Vergangenheit am besten.

Gehorsamkeit gilt nach wie vor als unsere Tugend, Desertion noch immer in weiten Teilen der Bevölkerung als verwerflich. Ich hingegen halte Fahnenflucht für die einzige bewundernswerte militärische Leistung, denn sie ist alles andere als Feigheit vor dem Feind. Doch das nur am Rande.

Und warum nun das ganze Geschreibsel? Nun, nennen wir es mal „Kleine Handreichung für die Grünen“ hinsichtlich des armseligen Koalitionsgerangels in den vergangenen Wochen. Dass ein Seehofer sagt, mit einem Kretschmann könne er bedenkenlos koalieren, doch am Verhandlungstisch säßen halt andere, ist ein Armutszeugnis für den Schwaben, aber zu wenig der Meriten für die Berliner.

Rückgrat zeigen ist die Devise. Und zwar kompromisslos. Wie das geht, hat nach der SPD nun ausgerechnet die einst so chamäleongleiche FDP vorgemacht. Chapeau, übrigens. Und gibt es Neuwahlen, dann gibt es halt Neuwahlen. Arschkriechen kann jedenfalls keine Alternative für Deutschland sein.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum