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Identitäre Bewegung Wie man den Deutschen vom „Fremdkörper“ unterscheidet

Im völkischen Baukasten finden sich alle Teile, aus denen rechte Vordenkerinnen wie Caroline Sommerfeld den echten Deutschen zusammensetzen. Die Kolumne in der FR.

Identitäre Bewegung
Caroline Sommerfeld spricht auf der Buchmesse. Hier neben AfD-Mann Björn Höcke. Foto: imago

Lebten wir in anderen Zeiten, würde es diese Kolumne nicht geben. Denn die handelt vom „Deutsch sein“ beziehungsweise davon, wer angeblich in diesen illustren Kreis gehört, und wer nicht.

Der in Oldenburg geborene „Spiegel“-Journalist Hasnain Kazim ist beispielsweise ein „Fremdkörper“, zumindest, wenn man der Philosophin und neurechten „Ikone“ („Spiegel“) Caroline Sommerfeld folgt. Die hatte Kazim auf einem Podium als „Fremdkörper“ bezeichnet und ihre Erklärung des „richtigen Deutschen“ auf dem rechten Blog „Sezession“ weiter ausgerollt. Sommerfeld verrührt mit ganz vielen Buchstaben eine völkische Suppe, die zwar als kompliziert behauptet wird, herunter gebrochen aber recht wässrig daherkommt.

Am Anfang steht der alles bedingende „Abstammungsdeutsche“. Der muss gar nicht „reinrassig“ im Blut- und schon gar nicht Grenzen-Sinne sein, vielmehr reiche die Fortpflanzung des „charakterlich und atmosphärisch Typischem“. Der Kniff ist clever. Damit mogelt sie all jene in den völkischen Baukasten, die in ihren identitären Kram passen, und der definiert sich nicht nach 2018, sondern eher nach 1942.

Der Unterschied zwischen Abstammung und Pass

„Phänotyp des Deutschen“ sind entsprechend „preußisch gewordene Hugenotten, …Österreicher samt in der Donaumonarchie weiland beheimateter Tschechen und Ungarn“. Dunkelhäutige Menschen können es nach Sommerfeldscher Logik „augenscheinlich“ nicht sein, im Gegenteil dürfe nichts „Physisches verloren gehen, dessen das zukünftige Deutschtum bedarf, um sich hieraus kontinuierlich weiter entfalten zu können.“

Wir haben verstanden. Wer deutsch ist, wird anhand völkischer Merkmale bestimmt, und wer die konstruiert, sind die rechtsextremen Identitären und ihre Vordenkerin. Die spricht von „Prototypenkategorisierung“ und liefert selbst ein hübsches Beispiel: von der Amsel und dem Pinguin.

Die Amsel sei „ein prototypischer Vogel“, der Pinguin hingegen nicht – „aber beide sind Vögel“. Übersetzt ist die Amsel „der prototypische Deutsche“, sie kann fliegen, hat also das Merkmal, was einen Vogel gemeinhin als solchen auszeichnet. Dem Pinguin, auch fedrig, aber flugunfähig, fehlt die als qualitativ wichtig markierte Vogelfähigkeit. Genauso wie dem Schwarzen, der natürlich Mensch ist, aber eben, sorry, optisch kein richtiger Deutscher, maximal ein „Passdeutscher“ sein kann, lebten seine Vorfahren einfach auf dem falschen Kontinent. Und da hilft es auch nichts, „für Deutschland einzustehen“, zum Volkskörper – weil nicht prototypisch – gehören Schwarze laut Abstammungslogik trotzdem nicht. Bei den Urenkeln könnte es klappen, vorausgesetzt, sie bedienen die Volksseele.

Es ist nicht zu fassen, welchen Rassismus Sommerfeld als Philosophie verkauft. Ihr geht es um die von den Rechtsextremen behauptete „Umvolkung“, nur weitet sie diese auf Menschen mit sogenanntem Migrationshintergrund aus, die auf dem schwarz-weißen Klassenfoto mehr auffallen, als auf einem bunten. Mitgemeint sind all jene, die sich in den Grenzen von 1990 noch nicht dem kulturell-völkischen Heimatkitsch angepasst haben.

Genau darauf wollen sie hinaus, die Sommerfelds, Gaulands und Höckes. Auf eine Hierarchie in einer als besonders wertig mystifizierten deutschen Gesellschaft, in der zur Elite gehört, wer über vordefinierte Merkmale verfügt, und sich parallel dem kulturellen Diktat einer völkischen Rechten unterordnet. Gruselig.

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