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Identitäre Bewegung Offen auf Basis des Ariernachweises

Die Identitäre Bewegung will zum großen Schlag ausholen und Flüchtlinge sowie NGOs auf dem Mittelmeer „konfrontieren“ . Ein gepflegtes Erscheinungsbild sollte dabei Ehrensache sein. Die Kolumne.

Berlin
Die Identitären legen Wert auf ein gepflegtes Erscheinungsbild und "kulturelle Reinhaltung". Foto: Christian Mang (imago stock&people)

Nein, betonen die schnieken Jungs und Mädels von der Identitären Bewegung (IB) gebetsmühlenartig, rechtsextrem seien sie nicht. In ihren Youtube-Videos und bei ihren Auftritten in den sozialen Netzwerken machen sie vielmehr den Eindruck einer Hipster-Studentengruppe, die Politik spielt: ein bisschen Provokation hier, Tradition dort, Schlagkraft der deutschen Jungmädels auf Instagram. Doch dieser Außendarstellung traut nicht einmal der Verfassungsschutz, der die Gruppe seit 2016 beobachtet; auch die Wissenschaft ist sich längst einig, wo sie die „Identitären“ einzuordnen hat: weit rechts außen nämlich.

Und aktuell scheinen sie zum großen Schlag ausholen zu wollen. Auf Facebook feiert sich gerade der österreichische Chefstratege Martin Sellner für seine Spendenaktion „Defend Europe“, mit der er ein Schiff zu chartern gedenkt, um Flüchtlinge inklusive „NGOs auf offener See konfrontieren zu können“. Smart bedankt sich der nette Schwiegersohn aus seinem Führerbunker bei „Jana, Patrick, Pierre, Enrico“, die einen kleinen Teil der 63 000 Euro für die „Mission“ bereitgestellt hätten, „um das Unrecht dort zu beenden, wo es anfängt“ (...), dort „wo Migranten das Seerecht beinhart ausnutzen und gemeinsam mit NGOs (...) Europa illegal fluten“.

Dass der Philosophiestudent aus den Bildern geschwächter Menschen in ihren kaum funktionalen Kuttern „beinharte“ Migranten konstruiert, erklärt sich über seine identitären Herrenrassenattitüden, die in rassistischer Terminologie eine „Lebenslüge der multikulturellen Gesellschaft“ (IB, Facebook) behaupten – die eine „kulturelle Reinhaltung“ des Staates erzwinge.

Dieses Ziel gedenken sie demnächst in Form einer Großkundgebung im Namen „identitärer Patrioten aus ganz Europa“ auf die Berliner Straßen zu tragen. Und zwar, wie die Versammlungsleitung bittet, in einem „gepflegten Erscheinungsbild. Wir wollen uns als eine attraktive und offene Jugendbewegung präsentieren“. Offen auf Basis des Ariernachweises, hätten sie vielleicht noch dazuschreiben sollen, denn Kern identitärer Ideologie ist „unsere These des Großen Austauschs“, der Idee einer gezielten Vernichtung der Stammbevölkerung durch Zuwanderung. Eine Kampagne dagegen rechtfertigt aus IB-Sicht die eigenen illegalen Aktionen. Aber dabei immer hübsch adrett bleiben, das ist natürlich Ehrensache.

Für Sellners vollmundig angekündigten Coup auf dem Mittelmeer fehlt ihm noch das entscheidende Equipment. „Was wir vor allem brauchen, ist dieses Schiff. Aufgrund der medialen Berichterstattung ist es für uns äußerst schwierig, ein Schiff zu chartern. Und unsere Mission ist ja auch eine äußerst diffizile… Dazu brauchen wir dich und dein Schiff“, wirbt Sellner im Video verschmitzt mit einem Bubenlächeln, das Jana und Enrico bereits zu einer fetzigen Shopping-Tour motiviert haben dürfte. Schließlich wird ein schickes Mittelmeer-Outfit benötigt, um darin Deutschland/Österreich vor dem Untergang zu bewahren.

Vielleicht bekommen sie ja das passende Schiff vom ehemaligen „Spiegel“-Journalisten Matthias Matussek. Der findet nämlich die „lustigen Aktionen der Identitären“, die er auf Facebook als die „APO von heute“ adelt, „einfach so geil“, und sowieso den Regierungsapparat „komplett entkoppelt“. Mit solchen Slogans könnte er glatt dem Martin Sellner den Rang ablaufen. Aber vermutlich ist der 63-Jährige für die „Jugendbewegung“ etwas zu alt.

Katja Thorwarth ist Autorin und Online-Redakteurin.

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