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Identitäre Bewegung Identitäre Gipfelstürmer in AfD-farbenen Steppjäckchen

Die identitäre Speerspitze hat es in die Alpen verschlagen, um die Grenze zwischen Italien und Frankreich zu kontrollieren. Chefideologe Sellner überwacht das Ganze per Heli. Die Kolumne.

Identitäre Bewegung
Blau harmoniert perfekt mit dem Himmel - die Identitären in Berlin. Foto: Christian Mang (imago stock&people)

Die rechtsextreme Identitäre Bewegung ist immer für einen spendenfinanzierten Trip in die Natur zu haben. Das Wetter muss stimmen, ganz so wie während ihrer Pleiteaktion im letzten Sommer, als sie planlos mit dem Pannenkutter „C Star“ im Mittelmeer umherschipperten, um Flüchtlingsboote an ihrer Weiterfahrt zu hindern. Geklappt hat gar nichts, doch immerhin hat die Sonne ordentlich geknallt, und das ist bei den jungen Leuten ja die Hauptsache.

Im April hat sie nun der Ruf der Berge ereilt. In den italienisch-französischen Alpen will die identitäre Speerspitze und Chefideologe Martin Sellner eine Grenze errichten, um Frankreich vor illegaler Migration zu „schützen“: Zu Land und zu Luft „überwachen wir das Grenzgebiet“, wie es auf Facebook heißt.

Den Walk bei den Gebirgsjägern einstudiert?

Dem behaupteten „Bevölkerungsaustausch“ gilt es zu widerstehen – den imaginierten Milliarden von Migranten, die Europa zu überrennen und die Völker bis zur Unkenntlichkeit zu vermischen drohen. Diese Mär und gleichzeitig einzige Existenzberechtigung treibt den Politnachwuchs an, in einheitlich AfD-farbene Steppjäckchen gekleidet dem Gipfel entgegen zu marschieren. Im Panorama bilden sie ein harmonisches Zusammenspiel mit dem strahlend blauen Gebirgshimmel, und solche Bilder wirken schon mit einem mittelmäßigen Handy 1A auf Instagram.

In Reih und Glied traben sie den Berg hinauf, als hätten sie ihren Walk einst bei den Gebirgsjägern einstudiert: den Blick erwartungsvoll nach vorne gerichtet, dem Auftrag entgegen und die Schultern beladen mit der Waffe des Kämpfers. Das ist in diesem Fall neben Handys und Tablets ein orangener Zaun, der sich herrlich von der Landschaft abhebt und sich offensichtlich ganz bewusst mit den Jacken beißt.

Orange ist also das Bollwerk des Patriotismus, hinter dem sich die Erbauer platzieren, kompromisslos die Arme überkreuz dem Unheil harrend, aber immerhin im gleißenden Sonnenlicht. Gott sei’s gedankt hat das Wetter mitgespielt. Dass unter diesem Zaun jedes Kleinkind mit Erwachsenenbegleitung und Teddy locker drunter durch krabbelt, soll die symbolische Effektivität nicht schmälern, denn immerhin geht es um die Sache und um schicke Fotos auf Twitter.

Und natürlich sollen die von Merkel erpressbaren Lakaien in Brüssel mal schnuppern, wie lässig sich so eine Grenze dicht machen lässt. Ist halt politisch nur schwer vermittelbar, dass es für die europaweit angekarrten Identitären ausgerechnet die Alpen-Grenze zwischen Italien und Frankreich sein soll.

Martin Sellner, der Gebeutelte

Aber hier stimmt das Klima, was auch Martin Sellner vom Helikopter aus goutiert haben dürfte, wie er – „der Heliflug war heute der Höhepunkt meines Aktivismus“ – auf Twitter schreibt.

Erst kürzlich war dem Gebeutelten die Einreise nach Großbritannien wegen des Verdachts auf „Aufstachelung zum Rassenhass“ verweigert worden, kein Wunder also, dass er sich zu Luft über die offenen Grenzen des europäischen Festlandes freut. Immerhin kann er so von oben das ganze Migrantenpack ins Visier nehmen, nicht zu vergessen das herrliche Alpenpanorama – und das alles noch für umme?

Ihre Fanbase scheinen die Identitären im Griff zu haben, zumindest kommt immer genug Schotter für die Trips zusammen, den sich die patriotischen Jungs und Mädels sicherlich mühsam von ihrem Shopping-Budget abzwacken. Sei’s drum, es soll auch Leute geben, die für die Zeugen Jehovas spenden.

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