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Hochhäuser am Alex Der schöne graue Himmel

Die Gegend um den Alexanderplatz in Berlin ist ein Alptraum, für den man sich bei Touristen entschuldigen möchte. Doch wer das Schöne will, muss manchmal das Hässliche fordern. Unsere Kolumne.

Alexanderplatz in Berlin
Über das leberwurstfarbene Alexa schweige ich, dazu wurde genug gesagt. Foto: rtr

Berlin ist dreckig, unhöflich und wir haben hier sieben Monate im Jahr grauen Himmel. Aber dennoch gibt es etwas anderes, für das ich mich am liebsten bei jeder Touristin und jedem Touristen persönlich mit Handschlag entschuldigen möchte: den Alexanderplatz.
Wenn ich in der U8 sitze und spanische Reisegrüppchen sehe, die dort aufgeregt aussteigen, muss ich mich immer zusammenreißen, um sie nicht daran zu hindern. Mein Spanisch reicht leider nicht, um ihnen zu erklären, dass sie gerade den größten Fehler ihres dreitägigen Berlinaufenthaltes begehen. Schlimmer noch, als sich anderthalb Stunden für einen Döner in Kreuzberg anzustellen. „Scusi señoras y señores!“, denke ich dann und dass ich vielleicht doch mal ein bisschen Spanisch lernen sollte.

Die Gegend um den Alexanderplatz ist ein Alptraum. Wie gemacht, um dem Menschlein zu zeigen, dass es im Diesseits keine Annehmlichkeiten zu erwarten hat. Über das leberwurstfarbene Alexa schweige ich, dazu wurde genug gesagt. Aber auch die restliche Architektur könnte einem Standardlehrbuch darüber entstammen, wie man es auf gar keinen Fall machen sollte. Mir ist noch nie jemand begegnet, der diesen Ort mag. Man meidet ihn, sofern man dort nicht einkaufen oder umsteigen muss.

Wir sind kein D-Zug

Die Piemontkirsche auf der Sahnehaube der Scheußlichkeiten sind die Märkte, die hier regelmäßig stattfinden. Der Weihnachtsmarkt verletzt selbst bei mir als ungetaufte Atheistin religiöse Gefühle und das Oktoberfest kommt einer Kriegserklärung an die Bayern gleich. Selbst wenn eines Tages ganz Berlin gentrifiziert sein wird, werden auf dem Alexanderplatz noch DJ Ötzi aus den Lautsprechern plärren und klebrige Hugos verkauft. Dachte ich jedenfalls. Denn nun gibt es Pläne, aus dem Platz einen Hochhausstandort zu machen. Ok, ganz neu ist die Idee nicht. Der Masterplan stammt von 1993, aber wir sind ja schließlich Berlin und kein D-Zug.

Kleinere Projekte wie das fast fertiggestellte Motel One und ein 65 Meter hoher Wohnturm mit dem herrlich exaltierten Namen Grandaire machen den Anfang. Weitere, deutlich höhere Häuser sollen folgen. Die geplanten Wohnungen decken selbstverständlich den Bedarf an bezahlbarem Wohnraum.

Was kann man am Alex schon groß verhunzen?

Also, nicht für uns bezahlbar, klar. Wir müssen weiterhin ins Märkische Viertel oder nach Marzahn, wenn wir Ausguck haben wollen. Aber für irgendwen bestimmt schon bezahlbar. Die Türme würden den Platz auf jeden Fall nachdrücklich verändern. Eines der geplanten Hochhäuser neben der Galeria Kaufhof etwa ließe Fußgängern dort nur noch einen Weg unter Arkaden.

Beim Betrachten der Pläne dachte ich, hm, immerhin sieht man dann von einer Seite das Alexa nicht mehr. Außerdem muss man ja heutzutage froh sein, wenn sie kein Schloss bauen und was kann man am Alex schon groß verhunzen? Wenn die Türme außerdem wie geplant den öffentlichen Raum verengen, bliebe ja vielleicht auch nicht mehr genügend Platz für die Märkte. Die Pläne entfachen in mir die größtmögliche Euphorie, die man als Berlinerin in Bezug auf Bauprojekte haben kann.

Und trotzdem bleibt die Sorge, dass die Hochhäuser ausgerechnet den schönsten Blick verdecken, den man am Alexanderplatz haben kann: den in Berlins grauen Himmel.

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