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Hitze Deutsche Bananen

Hitze, Trockenheit, Klimawandel: Das könnte noch ganz andere Folgen haben als „Grünflächen“, die wie Sisalteppiche wirken. Angenehm wären sie nicht. Die Kolumne.

Banana
Das hier sind keine deutschen Bananen. Foto: Imago

Ob der Sommer 2018 ein Rekordsommer wird, können die Meteorologen erst messen, wenn er vorbei ist. Dennoch sind Klimaforscher schon jetzt überzeugt, dass die ungewöhnlich lange Periode von Hitze und Dürre eine Folge des Klimawandels und rekordverdächtig ist. Kein Wunder, dass unsere „Grünflächen“ derzeit aussehen wie Sisalteppiche. Sie fühlen sich auch so an.

Schmelzende Gletscher und der steigende Meeresspiegel sind im täglichen Leben noch nicht so unmittelbar spürbar wie manch anderer Effekt, der zur Normalität werden könnte.

Die Pommes frites werden kleiner und teurer, weil die Kartoffelernte nicht mehr das Gleiche erbringt wie bisher. Das scheint banal, ist aber ein deutliches Zeichen, dass die Landwirtschaft vor gewaltigen Veränderungen steht. Und die Strompreise könnten steigen. Denn die Kohle- und Atomkraftwerke müssen ihre Produktion drosseln, wenn sie nicht mehr so viel Kühlwasser aus den Flüssen entnehmen und wieder einspeisen dürfen wie bisher, da sonst die Wassertemperatur zu sehr steigt und der Sauerstoffhaushalt zu stark sinkt.

Das wäre katastrophal für die Gewässerökologie und die Fischerei, zumal es Fischsterben hitzebedingt schon jetzt gibt. Gaskraftwerke müssten zugeschaltet werden, und die sind teurer. Wir hätten sozusagen die Wahl zwischen toten Gewässern und höheren Strompreisen. Gleichzeitig steigt der Strombedarf, weil mehr Klimaanlagen betrieben werden.

Unsere Feuerwehren sehen sich vor ganz neuen Aufgaben. Schon jetzt pumpen sie als Nothelfer Wasser in Pfützen, damit die bedrohten Gelbbauchunken ihre Laichplätze nicht verlieren. Abgesehen von diesem sympathischen Nebenjob hält sie die gestiegene Waldbrandgefahr ernsthaft in Atem.

Brennende Grünstreifen haben schon mehrfach zur Sperrung von Autobahnen geführt. Die Gartenämter fahren Überstunden, um die Baumbestände in den Städten vor dem Vertrocknen zu bewahren. Auf unseren Wasserstraßen fahren die Schiffe nur noch mit halber Ladung, weil sie so wenig Wasser wie nie zuvor unter dem Kiel haben. Das kann nicht folgenlos bleiben. Wie sich gestiegene Transportkosten für den Verbraucher auswirken, ist noch unbekannt. Und an Land häufen sich Straßenschäden, weil der Belag der Hitze nicht standhält.

Der Bauernverband kündigt Milliardenforderungen an die Bundesregierung an wegen existenzbedrohender Ernteausfälle. Er befürchtet die schlechteste Ernte seit vielen Jahrzehnten und bangt um das Winterfutter für das Vieh. Hätte die Politik rechtzeitig umgesteuert in eine nachhaltige Landwirtschaft, weg von Mais und Massentierhaltung, und hätte sie den längst überfälligen Kohleausstieg und die Verkehrswende umgesetzt, wären die Probleme jetzt geringer.

Die Europäische Kommission und die Bundesregierung haben zu viele Chancen ungenutzt verstreichen lassen, um den Klimawandel zu verlangsamen und Anpassungsstrategien zu entwickeln. Damit sind sie nicht allein, denn alle global gesetzten Klimaziele wurden bisher verfehlt. Es gibt sogar Kreise, die glauben, sie könnten vom Klimawandel profitieren. Die übersehen jedoch, dass die volkswirtschaftlichen und ökologischen Schäden jeden Vorteil bei weitem überwiegen.

Deutschland muss sich besser vorbereiten. Denn so sinnvoll der Kauf regionaler Produkte auch ist, so sicher wären Bananen aus heimischer Produktion dann doch nicht erstrebenswert.

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