Lade Inhalte...

Heimat Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben

Von Heimat wird neuerdings wieder geredet, sogar der Innenminister soll sich künftig darum kümmern. Das kann eine Chance sein - aber nicht mit Horst Seehofer. Die Kolumne.

CSU-Vorstandssitzung
Horst Seehof will mehr Heimat. Foto: Matthias Balk (dpa)

Eigentlich lässt sich gegen eine gewisse Heimatverbindung ja wenig sagen. Heimat, das ist erst mal grundsätzlich der Ort, wo man sich „heimelig“ fühlt, wie es so schön heißt. Gerade in Zeiten einer immer globaler werdenden Gesellschaft und eines immer enger zusammenwachsenden Europas steigt bei vielen die Wichtigkeit des kulturell angestammten persönlichen Umfelds. Man verbindet es mit wohligen Erinnerungen, die Menschen sprechen mit dem gleichen Zungenschlag, lieben die gleichen Gerichte, haben die gleiche Mentalität, oftmals prangen in ihren Gesichtern gar die gleichen Knüppelnasen.

Erhaltung der Dialekte und ein gesunder Lokalpatriotismus

Aus diesen Gründen entwickelten sich Trends wie Regionalität in der Küche und der Hang zur Hausmannskost, die Erhaltung der Dialekte und ein gesunder Lokalpatriotismus. Dies alles geschieht häufig auch grenzüberschreitend, fühlt sich doch beispielsweise ein Nordfriese dem Dänen näher als dem Allgäuer. Das ist erst mal gut, lässt es doch auf eine Abkehr vom Nationaldenken hoffen, das doch nur zu oft in einen „-ismus“ abgleitet und dann zwangsläufig zu Intoleranz und Fremdenhass führt.

Damit wäre denn auch schon Schluss mit der Schönmalerei. Die Realität sieht nämlich leider viel zu häufig anders aus. Denn zum einen beginnt dieses gemeinsame Europa schon auseinanderzubröckeln, bevor es wirklich zur Gänze zusammenwachsen konnte. Zum anderen ist diese Rückwendung zu gemeinsamen kulturellen Wurzeln nur zu oft von Engstirnigkeit, Verbohrtheit und Ausländerfeindlichkeit geprägt.

Was also tun? Kann ein Staat dieser Entwicklung Einhalt gebieten und die auf engem Raum Zusammenhaltenden in die richtige Richtung lenken? Kann das etwa ein Heimatminister? Vielleicht. Einen Versuch wäre es jedenfalls wert, denn eine homogene Gemeinschaft und Offenheit gegenüber Fremden schließen sich nicht automatisch aus. Man denke nur an die ersten Touristen auf griechischen Inseln, die sich der Einladungen der Einheimischen gar nicht erwehren konnten.

Was also wäre die Aufgabe eines Heimatministers?

Wer nun kräht: „Aber das hat sich ja wohl gewaltig geändert“, dem schleudere ich ein klares „Nein!“ entgegen. Man denke nur an die Bemühungen der Leute auf Lesbos und Kos, den angeschwemmten Flüchtlingen zu helfen. Ist es also eine Mentalitätsfrage? Womöglich. Schließlich gehörten Offenheit und ein sonniges Gemüt noch nie zu den vordersten Tugenden der Deutschen. Zu gerne verschanzt man sich hinter grauem Eternit und klammert sich verbissen an sein bisschen Hab und Ungut.

Was also wäre die Aufgabe eines Heimatministers? Gewiss nicht, diese Wesenszüge noch weiter auszubauen. Doch wäre es nicht prima, dem Volke eine Handreichung in Sachen „Gönnen können“ zuteil werden zu lassen? Eine Anleitung, das ständige Jammern zu lassen und stattdessen sich zu freuen über das eigene Wohl und es zu teilen mit anderen? Zu sagen „Meine Heimat ist auch deine Heimat“?

Ob ein Minister so etwas leisten kann, ist zweifelhaft. Sicher aber ist, dass der, der künftig einen solchen Posten bekleiden soll, der Grundfalsche dafür ist. Denn einen Horst Seehofer (CSU), bekennender Kumpel von Viktor Orban, einem der fremdenhasserfülltesten Politiker Europas, mit einer solchen Aufgabe zu betrauen, erinnert an das Austreiben des Teufels mit dem Beelzebub. Und ist widerlich deutsch.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen