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Haltung zeigen Von Helene Fischer erwarte ich nichts

Volksreden erwarte ich von Sigmar Gabriel, guten Pop von Donald Fagen. Von Helene Fischer erwarte ich nichts, außer, dass sie das Rahmenprogramm von Fußballspielen meidet. Die Kolumne.

Schlager
Helene Fischer distanziert sich nicht. Foto: dpa

Es gibt ein neues Album von Helene Fischer. Leider erfüllt es nicht die Erwartungen, zumindest jene von Klaas Heufer-Umlauf. Der Fernsehmoderator fordert von der Nationalkünstlerin, sie solle „in der Flüchtlingskrise Haltung zeigen“. Er souffliert ihr sogar einen Appell: „Hierher kommen Menschen, die Hilfe brauchen. Lasst uns denen helfen. Meine Empfehlung, Ihre Helene Fischer.“

Auch Udo Lindenberg ersehnt, dass von der Kollegin „mal ein Statement käme gegen Rechtspopulismus“. Campino sieht das ähnlich, räumt aber ein, dass sie zur Agitation nicht verpflichtet sei.

Udo Lindenberg erwartet Einsatz von Helene Fischer

Nun, damit jetzt mal jemand etwas Druck von der Bedrängten nimmt: Volksreden erwarte ich von Sigmar Gabriel, guten Pop von Donald Fagen. Von Helene Fischer erwarte ich nichts, außer vielleicht, dass sie das Rahmenprogramm wichtiger Fußballspiele meidet.

Es sind sogar zwei CDs. Live in München. Ich habe alles durchgehört. Mein Beruf ist eben auch nicht leicht. Die Sängerin spricht viel auf der Bühne. Sie sagt „Wahnsinn“ und „Ich liebe euch auch“. Sie denkt an ihre „lieben, lieben Eltern“ und den „wundervollen Mann an meiner Seite“. Sie wirbt um Respekt für geistig Behinderte. Sie möchte, dass Erwachsene für Kinder da sind. Aber sie rezitiert weder etwas wie Heufer-Umlaufs Text noch distanziert sie sich von Donald Trump und dem Dieselmotor.

Keine Distanz zu Donald Trump

Angenommen, ich wäre – von Stimme und Physis kühn abstrahiert – Helene Fischer: Was wollen diese Progressivprominenten überhaupt von mir? Ich bin eine leichte Muse. Wird neuerdings von Stehgeigern und Hupfdohlen auch verlangt, dass sie sich zum Klimawandel und anderem äußern? Abgesehen davon: Niemand diktiert mir, was ich dem Publikum vorsäftele, höchstens mein Manager.

Anscheinend glauben diese Leute, ihre Haltung würde von mir aus Feigheit und Geldgier nicht öffentlich geteilt. Ja, und? Selbst wenn. Anderseits: Bekanntlich drücken wir Schlagersänger nur aus, was wir ganz echt und tief drinnen im Herzen fühlen.

Vielleicht bin ich ja wirklich so politisch wie meine Lieder. Oder vielleicht habe ich – ohne da jetzt etwas in die Birne Helene hineindeuten zu wollen – eine vom Guten und Lichten zart abweichende Meinung. Vielleicht stehe ich, wie viele meiner Fans, auf dem Boden des Grundgesetzes irgendwo zwischen „No borders, no nations“ und „Ausländer raus“. Vielleicht möchte ich mich nicht vereinnahmen lassen. Vielleicht trällere ich deshalb, fast subversiv: „In meinem Kopf ist eine Achterbahn, Gefühle außer Plan.“

„No borders, no nations“ und „Ausländer raus“

Die F. hat keinen gefestigten Klassenstandpunkt. So machte man verweigerte Bekenntnisse im Land meiner Jugend aktenkundig. Damals gab es die FDJ-Kampagne „Rock für den Frieden“. Als Musiker anders für den Frieden zu sein, konnte Plattenproduktionen oder West-Tourneen behindern.

Solche Motivationshilfen versetzten viele DDR-Bürger in die Lage, sich instinktiv einwandfrei zu positionieren. Die folgende Geschichte ist wahr, egal, ob sie sich so zugetragen hat: Eines Tages besuchte Erich Honecker Plattenbaumieter zum Kaffee. Als er den (von seinen Leuten mitgebrachten) Kuchen lobte, seufzte die Gastgeberin: „Genosse Generalsekretär, wenn ich an die menschenverachtende Hochrüstungspolitik der Nato denke, dann schnürt es mir die Kehle zu.“

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