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GroKo Feuchter Traum von AfD und Wladimir Putin

Das Gezerre um die GroKo freut Russland und die Rechtspopulisten. Abwertung, Pessimismus und Destruktion – das führt zu Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Die Kolumne.

Bundestag
Politik ist ein Beruf, das sagte bereits der deutsche Soziologe Max Weber. Und dieser Beruf ist schwer. Foto: imago

Gewiss, die Bildung einer neuen Regierung hätte auch einfacher sein können. Das war sie aber nun mal nicht. Doch wie wenig braucht es eigentlich, um ein Gefühl von Chaos herzustellen? Was wir in den letzten Wochen erleben –und zwar aus allen politischen und unpolitischen Richtungen – ist eine erschreckende Lust an der Destruktion.

Die Häme in Medien und Netzwerken über jene, die sich um Kompromisse in den Koalitionsverhandlungen mühten, war getragen von einer unfassbaren Verantwortungslosigkeit. Die Freude an der Idee eines Scheiterns auf der ganzen Strecke, ja das kindische Jubeln über jeden Fehlschlag in der Hoffnung darauf, dass bald alles kaputt auf der Straße liegt, dominiert gerade die Stimmung.

„Merkel muss weg!“ - was bedeutet das?

Das ganze Geschehen, einschließlich des Dramas um Martin Schulz und Sigmar Gabriel, sieht aus wie der feuchte Traum von AfD und Wladmimir Putin. Was bedeutet es eigentlich, wenn mehr oder weniger diplomatisch „Wir wollen kein Weiter-so!“ oder „Merkel muss weg!“ gebrüllt wird? Um politische Details realer Politik jedenfalls scheint es hier nicht zu gehen.

Politik ist ein Beruf, das sagte bereits der deutsche Soziologe Max Weber. Dieser Beruf ist schwer. Er verlangt sowohl die Kraft für die Visionen, sich vorstellen zu können, was politisch erreicht werden soll, als auch eine tiefe Kenntnis der Materie.

Ohne zu wissen, was wie in welchen Details zu verändern ist, gibt es auch keine politische Entwicklung in den Bereichen, die Politik zu gestalten hat. Das ist mühsam. Das ist aufwendig und wenn, wie jetzt, auch noch Kompromisse gefunden werden müssen zwischen Konservativen und Sozis, umso mehr.

Man mag mit einigen Ergebnissen unzufrieden sein, aber diese Resultate sind die besten, die sich unter diesen Mehrheitsbedingungen finden lassen. So sieht nun mal die Realität in Deutschland aus. Sie könnte schlimmer sein.

Die Durchlässigkeit der Gesellschaft durch die sozialen Netzwerke bedeutet eine ganz neue Herausforderung an diejenigen, die Politik als Beruf verstehen. Die Bevölkerung und ihre Meinungsträger, alle kommentieren alles in Echtzeit. Es liegt in der Natur des schnellen Kommentars, dass er kaum anders als oberflächlich sein kann.

Aber es muss doch etwas geben zwischen der Haltung, dass die da oben es schon richtig machen und derjenigen, die böswillige Destruktion von allem will, was Politiker tun, egal wie schnell, wie langsam, wie fachlich oder sachlich, gut oder schlecht sie handeln. Was ist der Sinn, wenn jetzt höhnisch und hämisch das Zerstören gefeiert wird? Ist das besser, als Verantwortung zu übernehmen? Diese Frage richtet sich auch an die zur Abstimmung antretende SPD-Basis. Möge sie diesem Sog widerstehen!

Der Hang der Deutschen zum Politiker-Bashing als einer Form des Elitenhasses hatte immer etwas Totalitäres. Etwas nämlich, das sich lieber nach der ganz großen Lösung oder dem starken Mann sehnt, als sich mit den Niederungen der Detailarbeit zu beschäftigen.

Soll vielleicht präventiv dem Gauland schon mal die Macht übergeben werden? Damit der mit seiner völkischen Alternative für „Ordnung“ sorgt? So ist auch Hitler an die Macht gekommen. Abwertung, Pessimismus und Destruktion – das führt zu Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Da waren wir schon mal.

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