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Grillen So billig kann nur Schrott sein!

Umweltbewusst grillen? Gar nicht so einfach. Wer es versucht, verliert leicht die Orientierung. Die Irreführung hat Methode. Bei Grillfleisch und -kohle könnte man sagen: So billig kann nur Schrott sein!

Würstchen auf dem Kohlegrill
Schlimm, wie sich große Handelsketten bei den Preisen für Grillwürstchen und Fleisch zu unterbieten versuchen. Hier und bei der Grillkohle könnte man sagen: So billig kann nur Schrott sein! Foto: imago

Ü ber manche Dinge lässt es sich trefflich streiten. War der Elfmeter gerechtfertigt? Hätte der Torwart den halten müssen? Brauchen wir eine bayerische Grenzpolizei? Ist der Startenor XY noch Weltspitze? Warum hast Du den Trumpf nicht früher gespielt? Grillt man besser mit Gas, Holzkohle oder elektrisch?

Gerade diese Frage spaltet, jahreszeitlich getaktet, mit schöner Regelmäßigkeit unsere Gesellschaft. Für alle drei Glaubensrichtungen gibt es glühende Verfechter. So sicher wie im Frühjahr die Rezepte für eine neue Wunderdiät füllen im Sommer die Argumente pro und contra Grillkohle die Medien. Das aber ist mehr als nur eine Geschmacksfrage. Grillkohle ist ein problematisches Gut in Bezug auf die Klimawirkung. Und sie befeuert die Waldzerstörung.

Längst nicht immer trifft zu, was auf der Packung steht, um den umweltbewussten Verbraucher zu beruhigen. Wo „Kein Tropenholz“ draufsteht, ist doch Tropenholz drin, „aus nachhaltiger Forstwirtschaft“ ist oft schlichtweg gelogen, „aus kontrolliertem Anbau“ besagt gar nichts, und auf kaum ein Gütesiegel ist Verlass. Deutschland verbraucht jährlich eine Viertelmillion Tonnen Holzkohle, und die wenigste stammt aus heimischen Wäldern. Sie wird teils direkt aus den Tropen importiert, teils – die Herkunft verschleiernd – über europäische Nachbarländer.

Zum Beispiel in Nigeria leben viele arme Familien von der Köhlerei. Soll denen die Einkommensquelle verschlossen werden? Eine heikle Frage, die man aber unter den derzeitigen Gegebenheiten mit Ja beantworten müsste. Denn zum einen ist diese Waldzerstörung nicht wieder gutzumachen, und die armen Köhler sägen in ihrer Not im wahrsten Sinn des Wortes den Ast ab, auf dem sie sitzen. Zum anderen sind es nicht sie, die wirklich an dem Geschäft verdienen. Mafiöse Strukturen und Terrororganisationen sahnen bei Transport und Vertrieb ab, machen dabei das große Geld.

Es ist wie so häufig bei Naturerzeugnissen aus den Entwicklungsländern. Die wirklich Armen sitzen am untersten Ende der Kette und der Handel geht unmittelbar zu ihren Lasten, denn sie werden dauerhaft ihrer Ressourcen beraubt.

Was für einige ein Riesengeschäft darstellt, basiert auf rücksichtsloser Ausbeutung der Ärmsten und der Natur. Armutsbekämpfung durch planvolle Nutzung? Fehlanzeige!

Umwelt- und Verbraucherverbände haben hilfreiche Einkaufsratgeber erstellt, mit denen Käufer sich in diesem unübersichtlichen Markt orientieren können. Mal abgesehen von der Kohle, kann man vielleicht auch darauf achten, Fleisch aus tiergerechter Haltung auf den Rost zu legen, die ohne Soja auskommt. Denn auch Sojaanbau ist ein wichtiger Faktor der Tropenwaldvernichtung. Und Massentierhaltung ist nicht gut, nur weil sie normal ist.

Schlimm, wie sich große Handelsketten bei den Preisen für Grillwürstchen und Fleisch zu unterbieten versuchen. Hier und bei der Grillkohle könnte man sagen: So billig kann nur Schrott sein!

Umweltbewusste Verbraucher und solche, die es werden wollen, stöhnen, das alles sei unübersichtlich, die Entscheidung schwierig. Stimmt, aber dieser Mangel an Klarheit hat Methode. Denn so kann der Handel Waren auf den Markt werfen, die viel weniger verkauft würden, wenn transparenter wäre, wie sie entstanden sind, wie viel Tierleid in ihnen steckt und welche negativen Folgen sie für die Umwelt haben.

Manfred Niekisch ist Biologe und ehemaliger Zoodirektor.

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