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Gesellschaft Wir Meister aus Deutschland

Was haben wir nicht alles aus der Sache mit den Nazis gelernt, und das mit dem Steckrübenwinter erst! Jetzt darf die Welt wieder von uns lernen. Die Kolumne.

Deutschland
Müll lassen die Deutschen lieber von anderen entsorgen. Foto: dpa

Eigentlich könnte am deutschen Wesen doch tatsächlich die Welt genesen. Nicht im Sinne unseres einstigen „Führers“, der alle sonstigen Völker mit Krieg und Mord auf den rechten Pfad lenken wollte. Diese Methode hat sich nicht bewährt, das mussten wir nach zwölf von geplanten tausend Jahren erkennen. 

Doch wir sind nicht nur hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder und schnell wie Windhunde, sondern auch flexibel wie Chamäleons. Also entledigten wir uns unserer braunen Mäntelchen und wurden wieder wer. In Rekordzeit. 

Schon bald hatten wir ein Wirtschaftswunder geschaffen, wurden rotbackig, wohlgenährt und eine führende Industrienation. Schon bald hatten wir so viel Wert geschöpft, dass wir nicht mehr alle anfallenden Arbeiten alleine verrichten konnten. Besonders die schmutzigen, wie die Abfuhr unseres Mülls. 

Was Hunger bedeutet, wissen wir

So holten wir Fremde ins Land, nannten sie „Gäste“ und ließen sie das machen. Pfiffig, wie wir nun mal sind, perfektionierten wir das und brachten nicht mehr die Fremden zum Müll, sondern den Müll zu den Fremden. Die Armen dort müssen ja auch von etwas leben, und wir haben ein großes Herz. Wir wissen schließlich besser, was Hunger bedeutet. Oder hatten die da in Afrika etwa jemals einen Steckrübenwinter? Bitteschön. 

Weil wir das wissen, schicken wir nun das meiste vom Huhn dorthin. Wir essen die Brüste, den Rest kriegen die Darbenden – zusammen mit unseren alten Klamotten, die sind ja schließlich noch gut. Genial, wie wir sind, schließen wir damit sogar einen Kreis. Wir lassen unsere Kleider von armen Kindern in Asien nähen, ziehen sie kurz an und schicken sie dann armen Kindern in Afrika. Schafft ja auch Arbeitsplätze. So wie in den Ferienresorts, in denen wir Urlaub machen und uns von den Armen bedienen lassen. Ja, wir haben aus unseren Fehlern im Kolonialismus gelernt.

Wir wissen also, wie es geht. Das schreit doch danach, der Welt unsere Weisheiten zu vermitteln. Wer sind denn die Dichter und Denker? 

Wir kriegen alles in den Griff

So kommt es nicht von ungefähr, dass auch der Umweltschutz ein Meister aus Deutschland ist. Waren wir es doch, die das Waldsterben erfunden haben, das Dosenpfand, den Bezirksschornsteinfeger, die Kehrwoche und die ASU-Plakette. Das reicht uns natürlich nicht.

Deswegen kümmern sich nun unsere Ingenieure mit Hochdruck darum, einen winzigen Lapsus in der Elektronik unserer Autos zu korrigieren. Auch bei den Kreuzfahrtschiffen muss noch etwas zurechtgerückt werden. Die werden sauberer werden. Und ja, auch bei der Vielfliegerei muss sich was ändern. Da ist noch Luft nach oben. 

Und okay, die Waffenproduktion. Aber auch das kriegen wir in den Griff. Doch von irgendwas müssen ja auch wir leben. Außerdem haben wir ja den Export stark reglementiert. Das ist nun eine todsichere Sache. So wie der Import von Flüchtlingen. Wir wissen schließlich am besten, was es heißt, unter einem Krieg zu leiden. Und wie man damit fertig wird. 

Bei alledem ist es doch nur logisch, dass wir auch die Moral hinaus in die Welt schicken. Ein Beispiel: Sobald sich bei uns zwei ewig pubertierende Halbhirne in ihrer Angeberei vertun und einen Auschwitz-Schwachsinn daherrappen, empören wir uns wie wild. Mit Recht. Schließlich sind wir die Gröratze – die Größten Richtigmacher aller Zeiten.

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