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Gaza Beendet die Blockade

Zum Ende des Ramadan dürfte der Protest der Palästinenser nachlassen. Das ist aber kein Grund, nichts zu tun. Die Kolumne.

Fest des Fastenbrechens
Gläubige Muslime besuchen die Gräber ihrer Verwandten am ersten Tag von Eid al-Fitr. Das dreitägige Fest des Fastenbrechens beschließt den muslimischen Fastenmonat Ramadan. Foto: dpa

Catch 22“ heißt ein Roman des US-Schriftstellers Joseph Heller aus dem Jahr 1961 über die Absurdität des Krieges. „Catch 22“ beschreibt eine verfangene Situation und trifft ziemlich genau die Lage in Gaza. Schon wieder Gaza, werden Sie, verehrte Leser vielleicht sagen. Mit den wochenlangen Protesten am Grenzzaun, deren Grad an medialer Aufmerksamkeit mit der Zahl der palästinensischen Toten und Verletzten korrelierte, ist es doch wohl hoffentlich erst mal vorbei.

An diesem Freitag beginnt schließlich das dreitägige Zuckerfest, Eid al-Fitre, an dem Moslems in aller Welt das Ende des Fastenmonats Ramadan feiern und, so wie die Christen an Weihnachten, üppige Festmahle auftischen. Ja stimmt, in Gaza, wo die Arbeitslosigkeit an der 60 Prozentmarke liegt, wird die Schlemmerei eher kärglich ausfallen.

Aber heute wird ja auch noch die Fußballweltmeisterschaft angepfiffen. Die Gazaner sind enthusiastische Fans, selbst Hamas-Chef Ismael Hanija ist als solcher bekannt. Die Übertragung der Spiele wird die Massen schon abhalten, ihr Leben auf dem Todesstreifen im von israelischen Scharfschützen gesicherten Grenzgebiet zu riskieren.

Klingt zynisch, aber zynisch ist auch, nach dem Drama um die „Märsche der Rückkehr“ zur Tagesordnung zurückzukehren. Womit wir bei der Politik des Nichtstuns wären. Zwar hat das israelische Sicherheitskabinett zu Wochenbeginn ausgiebig diskutiert, was man alles unternehmen könne, um Druck aus dem Dampfkessel namens Gaza zu lassen. Manche erwärmten sich für die Idee, von einem Hafen in Zypern aus den Gazastreifen zu versorgen oder eine Industriezone nahe der Gazagrenze zu bauen. Nicht zu vergessen das großspurige Lieblingsprojekt des Transportministers, eine künstliche Insel vor der Gazaküste zu errichten, wie in Dubai, aber unter israelischer Kontrolle.

Humanitärer Notstand

Es gäbe auch einiges eine Nummer kleiner, um den humanitären Notstand in Gaza zu lindern, damit dessen zwei Millionen Einwohner endlich ausreichend sauberes Trinkwasser, genügend Strom und funktionierende Kläranlagen bekommen.

Generalstabschef Gadi Eisenkot ist dafür, Verteidigungsminister Avigdor Liebermann dagegen, solange die Hamas nicht die Leichen zweier im Gazakrieg 2014 gefallener Soldaten herausrücke. Die Hamas will darüber erst verhandeln, wenn Israel bereits freigepresste, aber erneut einkassierte Häftlinge entlasse. Und so entschied das Sicherheitskabinett, nichts zu entscheiden, obwohl eine Lageberuhigung den Kibbuzim in unmittelbarer Nachbarschaft zu Gaza zugute käme. „Catch 22“.

Alle beteuern, ihnen liege am Wohle der in Gaza darbenden Bevölkerung. Nicht sie sei „unser Feind“, sondern die Hamas, sagt Premier Netanjahu. Ähnliches propagiert Palästinenserpräsident Abbas, der allerdings Solidaritätsdemos in Ramallah für die Menschen in Gaza mit Verboten und Tränengas zu unterbinden sucht.

Demnächst soll eine US-Delegation unter Trumps Schwiegersohn Jared Kushner zu Beratungen anreisen, wie sich das Gaza-Problem entschärfen ließe. Ob dabei mehr rauskommt als Absichtserklärungen?

Zumal die israelischen und US-Konfliktmanager nicht mit der Hamas reden und Abbas mit allen dreien nicht. Nur, per Wunschdenken löst sich die Hamas nicht in Luft auf. Und in vier Wochen ist das womöglich zur Deeskalation beitragende Fußballfieber vorbei. Dabei lässt sich eine Lösung aus dem „Catch 22“ in Gaza in drei Worte fassen: Beendet die Blockade!

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