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Fußball Der Gott des Geldes

Der Fußball funktioniert wie eine Druckmaschine für Geld. Immer mehr Sender übertragen die Spiele und der Zuschauer muss immer mehr bezahlen. Die Kolumne.

Neymar
War seinem neuen Arbeitgeber Paris Saint-Germain 222 MIllionen Euro Ablöse Wert: Neymar. Foto: afp

Meine Kolumne zur Abseits-Kostenfalle hat einige Kommentatoren aus der Kabine auf den Bolzplatz gerufen. Das wundert mich nicht. Wenn es um Fußball und Geld und um die finanzielle Verantwortung für Polizeieinsätze gegen Fankrawalle geht, dann schäumen die Emotionen schnell über.

Ich bleibe dabei, kein Verständnis dafür aufzubringen, dass der Steuerzahler die Sicherheit gewinnorientierter Veranstaltungen aus seiner Tasche bezahlen soll. Wer die Kapelle bestellt, soll für die Musik und das Drumherum bezahlen. Geld genug muss doch vorhanden sein, wenn in Europa ein Spielerwechsel von einer Mannschaft zur anderen mit 222 Millionen vergoldet werden kann.

Ein Nachrichtenversprecher im Deutschlandfunk machte daraus Milliarden. Er war der Zeit etwas voraus. „Wir sind im irrealen Bereich, aber das ist gerade Realität“, sagte der Freiburger Trainer Christian Streich zu dem Deal und legte mit der präzisen Flanke nach: „Der Gott des Geldes verschlingt alles.“

Immer höhere Maßstäbe

Dass die Maßstäbe immer höher gesetzt werden, dafür sorgt auch Audi, einer von Bayern Münchens Hauptsponsoren. In der letzten Saison stattete er Fahrer und Trainer mit einer Dienstflotte von 25 Autos mit sage und schreibe 11 911 PS aus. Ausgerechnet am Tage des Berliner „Dieselgipfels“ erlebten die Bayern-Kicker ihr Desaster beim Audi-Cup und mussten sich die Protestpfiffe des Publikums für den letzten Platz im Turnier gefallen lassen.

Merke: PS schießt keine Tore. Aber es rollte wenigstens der Euro aus dem Verkauf von Übertragungsrechten für das Ingolstädter Werbespektakel an die ARD und in die Vereinskasse. Und die vier Ringe des Autobauers samt Nennung seiner neuesten Modelle waren stundenlang auf den Bildschirmen präsent.

Doch nach dem Werbe-Cup werden künftig immer weniger Fußballspiele im Nicht-Bezahlfernsehen zu sehen sein, weil die öffentlich-rechtlichen Anstalten im Rechte-Poker um Übertragungslizenzen gegen Sky, Discovery und die Streamingdienste kostenpflichtiger Internetplattformen kaum noch zum Zuge kommen.

Fußball als Gelddruckmaschine

In der Champions League wird nur ein Internetanbieter ganze Spiele zeigen. Sky, das seinen Abonnenten einmal die fußballerische Vollversorgung versprochen hat, muss sich in Konferenzschaltungen auf 30 Minuten pro Spiel beschränken. Mit DAZN, einer britisch-amerikanischen Gesellschaft, ist ein weiterer Kontrahent aufgetaucht und verlangt etwa 120 Euro für das Abo. Wer alle Bundesliga-Spiele live sehen will, muss von kommender Saison an zwei Abos bezahlen, weil neben Sky nun auch Eurosport Rechte erworben hat.

Im Streit der beiden großen Fußball-Anbieter Sky und Discovery um die TV-Exklusivrechte können sich die Uefa- und DFB-Funktionäre zurücklehnen. Offenbar sind sie in der Lage, die Preisspirale beliebig weiterzudrehen. Fußball funktioniert wie eine Gelddruckmaschine.

Nachvollziehbar dass die Spitzenkräfte gern einmal selber Lust bekommen, in deren Räderwerk einzugreifen. Oder, wie soll man es verstehen, dass Mathias Sammer, bei Bayern nach Uli Hoeneß’ Rückkehr entbehrlich, einen „Experten“-Vertrag mit Eurosport abschließt? Mit seiner Bezahlvariante gehört der Sender zum Discovery-Unternehmen, also dem Kontrahenten des bisherigen Bundesliga-Platzhirsches Sky. Hoeneß soll Sammer schon gewarnt haben, dort nicht zu viel Insiderwissen über den alten Arbeitgeber auszuplaudern.

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