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Fernseh-Moderatoren Lanz kontert den Zamperoni-Blick

TV-Moderatoren sollten nicht von oben herab mit den Menschen sprechen. Zuhören und Anregungen geben ist zielführender. Ein gutes Beispiel hierfür ist Markus Lanz. Die Kolumne.

Markus Lanz
Hat Markus Lanz den Zamparoni-Blick? Nein, sagt unser Autor. Foto: imago stock&people (imago stock&people)

Die Grafiksäulen der Wahlprognose waren am Sonntagabend noch nicht vollständig ausgefahren, da hatten die Fernseh-Moderatoren bereits ihr Bescheidwissergesicht aufgesetzt. Nennen wir es den Zamperoni-Blick. Einer, der sagt: Erzählen Sie mir jetzt bitte nichts, Frau Barley, der Schulz-Zug ist doch abgefahren.

Der Zamperoni-Blick schaut von oben herab, die armen Kreaturen, die angesichts ihrer Niederlagen und Leiden demütig das Votum des Volkes zu erklären versuchen, sind aus dieser Perspektive nur Sendezeitdiebe, die die neue politische Konstellation noch nicht erfasst haben.

Wer vorn sein will, für den müssen alle anderen Zuspätkommer sein. Die Kommentatoren mit Zamperoni-Blick interessieren sich nicht wirklich für das politische Geschehen. Aber es gehört zu ihrem Selbstverständnis, es besonders gut verkaufen zu können.

Man findet den Zamperoni-Blick nicht nur nach Wahlen. In der Kultursendung „Titel, Thesen, Temperamente“ wird er von Max Moor durch deutungsgesättigte Wortkaskaden angereichert. Einfach berichten war gestern. Wissen, wo es langgeht? Guckst Du hier! Und weil es dabei ja um Kultur geht, gibt es den Zamperoni-Blick mit zusätzlichem Bildungsstreusel obendrauf.

Es ist also Zeit, dem Zamperoni-Blick etwas entgegenzusetzen. Deshalb soll hier jemand hervorgehoben werden, für den despektierliche Schmähungen zuletzt zum Alltag seiner Fernsehtätigkeit gehörten. Markus Lanz hat viel aushalten müssen, nachdem er 2014 endgültig vor dem TV-Dinosaurier „Wetten, dass…?“ in die Knie ging. Zur Höchststrafe war es gekommen, als sich der US-amerikanische Schauspieler Tom Hanks über seine Anwesenheit in der Show beklagte, deren eigentümliche Gepflogenheiten ihm wie eine ethnographische Grenzerfahrung vorgekommen sein müssen.

Markus Lanz hat wenig ausgelassen und sogar vor Sackhüpfen nicht zurückgeschreckt. Danach zog Lanz sich auf „Markus Lanz“ zurück, eine angesichts der zuvor lärmigen Omnipräsenz des Moderators eher konventionelle Talk-Show.

Markus Lanz kommt darin ganz ohne Zamperoni-Blick aus. Er hört zu, regt an und bringt Menschen zum Sprechen, auch wenn diese nicht gleich Glamour und Bedeutung ausstrahlen. Es reicht aus, etwas zu können oder zu sagen zu haben. Wissenschaftler kommen vor und berichten über nichts anderes als ihren Arbeitsalltag. Sportler schauen öfter vorbei, und Markus Lanz kommt das Verdienst zu, in der Nachbarn-Affäre um AfD-Gauland die Schwester des Nachbarn Boateng als blitzgescheite Zeitgenossin vorgestellt zu haben.

Gewiss, manchmal überkommt auch Markus Lanz diese übertriebene Zugewandtheit zu seinen Gästen. Dann rückt auch er ihnen kernerhaft nahe. Aber oft dürfen sie einfach nur miteinander reden. Kürzlich taten dies der Journalist Ulrich Kienzle und der Islamkritiker Hamed Abdel-Samad. Kienzle wollte Letzteren zur Rede stellen, weil dieser mit seinen Thesen auch im Umfeld der Alternative für Deutschland aufgetreten war. Abdel-Samad wies den Vorwurf zurück, sich von der falschen Seite instrumentalisieren zu lassen.

Es sei nun einmal ur-demokratisch, gerade mit denen zu reden, die womöglich nicht seiner Meinung sind. Markus Lanz sitzt daneben. Er lässt zu, ist neugierig und steuert allenfalls Ergänzungen bei, die er für wichtig hält. „Markus Lanz“ – ein zweiter Blick, der sich lohnt.

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