Lade Inhalte...

EM-Vergabe der Uefa Regime des Unrechts oder Verband der Korruption?

Der europäische Fußballverband Uefa vergibt in dieser Woche die EM für 2024. Beworben haben sich Deutschland und die Türkei beziehungsweise der Teufel oder der Beelzebub? Die Kolumne.

Bewerbung EURO 2024
Deutschland oder die Türkei? Unser Autor hält beide Länder nicht für ideal als EM-Austragungsort. Foto: dpa

Eigentlich ist ein Spiel ja ein Spiel. Also etwas Leichtes, Entspannendes, vom fordernden Alltag Ablenkendes. Nun gut, es gibt für die Kleinen auch Kriegsspiele und für die Großen – etwa für Generäle oder Präsidenten – gewaltige Strategie-Sandkästen oder schlichte Koffer mit einem Code drin, der dazu taugt, die halbe Welt in Schutt und Asche zu legen. Gottlob liegt die Gewalt darüber bei vernünftig denkenden Männern wie etwa Donald Trump.

Außerdem sollte man nicht mit Essen spielen, ein Gebot, das täglich von Reiterinnen und Reitern missachtet wird. Davon aber soll hier nicht die Rede sein. Widmen wir uns doch lieber mal dem Fußballspiel.

Das ist ja eigentlich ein wahrer Quell der Ausgelassenheit. Eine Horde Menschen versucht freudig jauchzend, etwas aufgeblasenes Rundes mit dem Kopf oder dem Fuß in ein von hinten mit einem Netz behängtes Gerüst zu befördern. Wem dies binnen einer begrenzten Zeit an häufigsten gelingt, hat gewonnen und muss den anderen einen ausgeben. Das sind – vereinfacht ausgedrückt – die Regeln.

Fußball eignet sich zur Verbindung Verzwisteter

Das Fußballspiel ist ein probates Mittel zur Deeskalation, zum Abbau von Konflikten und Spannungen. Es führt Chefs und Angestellte zusammen, Gefangene und Wärter, Kommunisten und Faschisten (zumindest in italienischen Bergdörfern). Sogar verfeindete Armeen ließen schon für die Dauer eines Kicks die Waffen ruhen. Immerhin. Das schafft sonst nur Weihnachten. Natürlich ließe sich all das gewiss auch mit Gummitwist, Fangen oder Verstecken erreichen, doch anscheinend eignet sich der Fußball am besten zur Verbindung Verzwisteter.

Fatalerweise hat sich das Spiel mit dem Ball im Laufe der Jahrzehnte auch in eine andere Richtung entwickelt. Üblen Tretereien auf dem Platz folgten sich prügelnde Zuschauer auf den Rängen, was zuerst zum Einsatz von Ordnern führte und schließlich ganzer Hundertschaften behelmter Polizisten.

Was ist aus dem schönen Spiel geworden! Zum Glück gibt es behütende Instanzen, also Verbände wie den Deutschen Fußball-Bund (DFB), europäischen Verband (Uefa) und den Weltverband (Fifa). Besonnene ältere Herren in edlem Zwirn, die sich den Grundfesten des Fußballspiels verpflichtet fühlen und scharfen Verstands über dessen Ethik und Moral wachen sollen.

EM in der Türkei oder in Deutschland

Abermals fatalerweise haben aber auch diese Herren eine Entwicklung durchgemacht. Es zeigte sich, dass selbst sie sich nicht immer der wahren Lehre des runden Balles verschreiben, sondern auch den Verlockungen des süßen Lebens in Gestalt von Moneten und Penunzen.

Deswegen rollte so mancher Kopf und machte einem anderen Platz, der sich wiederum auch nicht in der Lage sah, besagtem Ruf zu widerstehen. Dieses Gremium der bald rollenden Köpfe muss nun am kommenden Donnerstag entscheiden, wer die Europameisterschaft des Jahres 2024 auszurichten habe. Zur Wahl stehen der Teufel und der Beelzebub, die Türkei und Deutschland. Ein Regime des Unrechts und ein Land, dessen Fußballverband einer der korruptesten ist. Was tun?

Sinnvoll wäre es, die gleiche Lösung zu wählen wie für die Europameisterschaft 2020. Sie wird paneuropäisch ausgetragen, also in zwölf Ländern. Eine gute Idee. Wiederum fatalerweise stammt sie von dem ehemaligen Uefa-Präsidenten Michel Platini – dessen Kopf auch schon längst rollen musste. Sollte man also doch eher Gummitwist spielen?

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen