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Donald Trump Der Krieg im eigenen Land

Seit 2000 wurden in den USA mehr Amerikaner erschossen als in Afghanistan oder im Irak. Doch die Waffenlobby ist ein enger Trump-Unterstützer. Die Kolumne.

USA
Trauer im Weißen Haus um die Opfer der jüngsten Amok-Tat in Florida. Foto: afp

Erschütternde Nachrichten aus den USA: Hohe Schulden und sinkende Nachfrage nach Pistolen und Gewehren zwingen einen der ältesten US-Waffenhersteller in die Insolvenz. Die Remington Outdoor Company muss einen Antrag auf Gläubigerschutz stellen, um die Schulden von rund 700 Millionen US-Dollar senken zu können. Einer der eifrigsten Trump-Unterstützer, Finanzinvestor Feinberg, dessen Cerberus-Gesellschaft ausgerechnet in Remington investiert hat, steckt in Schwierigkeiten.

Man muss nicht lange nach einem Schuldigen suchen: Er heißt Donald Trump. Während es unter Barack Obama noch Angst-Waffenkäufe wegen möglicher strengerer Regulierungen gab, sank die Gefahr schärferer Waffengesetze mit Trumps Präsidentschaft deutlich. Also besteht weniger Panik und das Geschäft lässt nach. Auch anderen großen Herstellern wie Smith & Wesson, Sturm, Ruger und Co. geht es nicht besser.

Jeder Bürger hat das Recht hat, Waffen zu besitzen

Trump hatte schon vor seiner Amtszeit auf dem Kongress der Waffenlobby NRA (National Rifle Assoziation) versprochen, dass die Verteidigung des zweiten Verfassungszusatzes, wonach jeder Bürger das Recht hat, Waffen zu besitzen und zu tragen, eines seiner hehrsten Ziele sei und er nur Richter einsetzen werde, die ein großzügiges Waffenrecht unterstützen würden.

Wie wir inzwischen wissen, hat sich der Lobbyverein mit einer Wahlkampfspende von 30 Millionen Dollar bedankt und fünf Millionen NRA-Mitglieder gaben ihrem Präsidentschaftskandidaten politischen Feuerschutz. Trumps stets wiederholter Satz nach allen bisherigen Massentötungen, „Jetzt ist nicht die Zeit, um über Waffengesetze zu sprechen“, könnte ihm die Wiederwahl sichern. Trumps Ankündigung, eventuell „Bump Stocks“ zum schnelleren Feuern zu verbieten, ist nichts als ein Schuss in die Luft.

Nun zu wesentlichen Zahlen des US-Waffenwahnsinns. Seit der Jahrtausendwende wurden rund eine Viertelmillion Amerikaner auf ihrem eigenen Territorium erschossen. Der verlustreichste Krieg fand also nicht in Afghanistan, Irak oder Vietnam, sondern zu Hause statt. Drei der schlimmsten Massenerschießungen ereigneten sich im ersten Jahr der Trump-Präsidentschaft. In den letzten fünf Jahren seit dem Sandy-Hook-Massaker gab es an 273 Schulen 430 Tote.

Emma Gonzales ist das Gesicht des Protestes

Während der Präsident und regionale Politiker regelmäßig von tragischen Ereignissen sprechen und zum Gebet aufrufen, wird in immer mehr Bundesstaaten den Lehrern empfohlen, sich für den Unterricht zu bewaffnen. Die NRA zeigt sich hilfreich und bietet den Lehrern kostenloses Waffentraining an. Irgendwie muss ja die Zahl der 300 Millionen im Umlauf befindlichen Schießeisen wieder zum Steigen gebracht werden.

Wenn das nichts bringt, könnte der Kongress demnächst produktionsfördernd ein Gesetz etwas schneller verabschieden, das den Kauf von Schalldämpfern für Waffen erleichtert. Es trägt den Titel „Gesetz für besseren Gehörschutz für Waffenbesitzer“ und hat eine gesundheitsfördernde Wirkung nicht nur für Jäger, sondern auch für Tausende künftige Straftäter, denen das laute Geballer auf die Nerven geht.

Nach der neunzehnten Schießerei in einer US-Schule seit Jahresbeginn demonstrierten jüngst viele Schülerinnen und Schüler. Emma Gonzales, eine der Überlebenden, fand jene schlichten Worte, die jedem Amerikaner künftig so wichtig sein sollten wie der oben zitierte Verfassungszusatz: „An alle Politiker, die Spenden von der NRA bekommen haben – schämen Sie sich!“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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