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Deutschland Rassismus ist ein Standortnachteil

Wir starren wie gebannt auf den Stundenzeiger, während die Nachrichten im Terrortakt auf uns einprasseln. Aber wenn wir den Blick ein wenig weiten, sehen wir noch viel wichtigere Dinge. Die Kolumne.

AfD
Alice Weidel und Alexander Gauland wollen Neuwahlen. Foto: afp

Bei dem Wetter kann man kaum anders, als mit den Füßen missmutig das feuchte Laub vor sich her zu schieben. Was wird nun? Welches Bild gibt die Politik gerade ab? Bei dem Ergebnis der Verhandlungen um die Koalition wird es wieder viele Unzufriedene geben.

Auf der einen Seite kämpfen die Parteien um Kompromisse, ohne die es nicht gehen wird, und auf der anderen feixen die Rechten. Was für ein Dilemma. Haben es diese Rechtspopulisten durch Lügen und Demagogie tatsächlich geschafft, dass am Ende jede Diskussion, jedes zähe Ringen um politische Entscheidungen wie ein weiterer Beleg für die „Unfähigkeit“ der Demokraten erscheint?

Rechtspopulistische Tendenzen in Europa

Das wäre wirklich gefährlich. Doch gefährlich ist es ebenso, wenn die Partien so tun, als gebe es keine rechtspopulistische Tendenz in Europa und als gehe es nicht darum, gerade jetzt unbedingt die offene Gesellschaft zu verteidigen.

Wie soll das möglich sein, bei den Nachrichten aus aller Welt? Müll in den Flüssen und Klimawandel, Menschen ertrinken im Meer und verhungern im Jemen, Assad massakriert in Syrien ungehindert weiter. Menschen fliehen. Sie geben sich nicht mehr einfach ihrem Schicksal hin, so wie in früheren Zeiten.

Früher, das war, als die sogenannte Erste Welt ihre Informationen fein zubereitet in Häppchen aus dicken Zeitungen oder ausgewählten Dokumentationen bekam. Früher, das war, als der Wohlstand der weißen Welt im wahrsten Sinne des Wortes anstandslos auf Kosten der anderen erwirtschaftet wurde. Flüchtlinge konnten früher kaum fliehen, man sah nur im Fernsehen, wie die Kinder in Asien und Afrika starben. Früher kamen Arbeitsmigranten nach Deutschland-Ost wie -West, die einzig dazu da waren, in drei Schichten in den Schacht einzufahren. Früher wurde auch die Kartoffelernte mit verdünnter Salzsäure beschleunigt. Aber das stand nicht in der Zeitung, denn es war normal im Sozialismus.

Deutschland und Europa halten der Globalisierung stand

Und heute? Heute starren wir wie gebannt auf den Stundenzeiger, während die Nachrichten im Terrortakt auf uns einprasseln. Aber der Augenblick sagt nichts darüber, was sich alles verändert hat, wenn man nur auf den Uhrzeiger stiert.

Die Welt ist anders geworden. Deutschland ist anders geworden. Besser. Viel besser, trotz allem. Lange nicht gut. Aber besser. Deutschland und Europa halten der Globalisierung stand. Es hätte auch anders kommen und die vormals „Dritte Welt“ hätte an der „Ersten“ ökonomisch vorbeirauschen können.

Rassismus ist handfester Standortnachteil

Dass dies nicht passiert, liegt auch an der Tatsache, dass offene Gesellschaften fähig sind, sich zu entwickeln. Und dass Demokratien grundsätzlich besser für Innovation und sozialen Ausgleich geeignet sind als autokratische oder totalitäre Regime.

Rassismus ist nicht nur ein moralisches Problem, sondern ein handfester Standortnachteil. Wer heute zurück will in die vorglobale Welt, wer sich heute ein weißes Europa wünscht und Frauen, die sich „nicht immer so haben“, wer der Einfachheit halber nur noch Einfaches hören mag, sägt am Ast, auf dem wir alle sitzen.

Also: Geduld ist gefragt, weil die Welt schwierig ist, ebenso wie Ungeduld, weil sich der Uhrzeiger auch dann bewegt, wenn wir draufstarren. Und weil nasses Laub nicht fliegen kann, muss man es halt beiseiteschieben. Sonst rutscht man noch aus auf diesen braunen, glitschigen Unrat.

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