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Demo für alle und CitizenGo Das Gender*Sternchen des Teufels

Den Kampf gegen die Ehe für alle ist verloren. CitizenGo, im Fahrwasser der Demo für alle schwimmend, sieht jetzt die große Gefahr im Gender*Sternchen. Damit dürften sie auf einer Welle mit Björn Höcke liegen. Die Kolumne.

Genderismus
CitizenGo demonstrieren gemeinsam mit der Demo für alle gegen die sogenannte Gender-Ideologie. Foto: imago

Der Mensch ist nach „Gottes“ Ebenbild erschaffen, da kann es für das Netzwerk CitizenGo keine zwei Wahrheiten geben. Der Verein, der als „Bürgerplattform“ mit Hilfe von Onlinepetitionen in die Politik einzugreifen versucht, wurstelt im Dunstkreis der rechtsreligiösen „Demo für alle“ vor sich hin und wittert hinter jeder Hecke den Untergang der traditionellen Familienbande.

Linksgrün und homoversifft geht die Bedrohung insbesondere vom „Genderismus“ aus, vom „Gender-Gaga“ (Birgit Kelle), und von der Verhunzung „unserer schönen deutschen Sprache [durch] ideologiebedingten Missbrauch!“ (CitizenGo). Das Bedrohungsszenario ist verständlich, bildet es doch die einzige Existenzberechtigung für die Familienretter, die immer noch nicht verkraftet haben, dass sie die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare nicht verhindern konnten.

Ihre Hoffnungen hatten sie in den bayerischen Freistaat gesetzt, das Vorzeigeland des Vater-Mutter-Kind-Modells inklusive röhrendem Hirsch, Volksmusik und Kreuz in jedem Klassenzimmer. Doch im März verkündete der Fels an der Heimatfront, auf eine Klage gegen die Ehe für alle verzichten zu wollen. Die Kreuzritter*innen von CitizenGo geben die Schlacht natürlich längst nicht auf.

Das Sternchen steht für sprachliche Gleichbehandlung 

„Die Familie, entstanden aus der Vereinigung eines Mannes und einer Frau, ist die natürliche Keimzelle unserer Gesellschaft“, heißt es in den Verbundprinzipien, der andere Familienmodelle ausklammert und aktuell im Gender*Stern den Hauptangriff auf das patriarchale Abendland sieht. Die Landesstelle für Gleichbehandlung hatte angefragt, den Stern in den Duden aufzunehmen, und damit CitizenGo aktiviert, die sogleich eine Petition auf ihrer Seite starteten.

Dabei steht das Sternchen für die sprachliche Gleichbehandlung jener Menschen, die sich weder dem männlichen noch weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen – ein Zeichen der gesellschaftlichen Mitnahme jenseits von Diskriminierung und Ausgrenzung. Nimmt niemandem etwas weg, liefert vielmehr der Lebenswirklichkeit Tausender eine sprachliche Entsprechung. Aber was machen unsere Vertreter*innen des real existierenden heterosexuellen Normativs daraus?

Björn Höcke und der „Gender-Totalitarismus“ 

Das Sternchen stehe als „weitere Umsetzung eines gesellschaftlichen Umbaus im Sinne des Genderismus. Offensichtlich hält man die Zeit gekommen, den Rat für deutsche Rechtschreibung nun für dieses zuvorderst politische Ziel zu instrumentalisieren“.

Damit ist umschrieben, was Björn Höcke von der Alternative für Deutschland bereits 2014 orakelte, als er von einem „Gender-Totalitarismus“ sprach, mit dem man „Ungleiches gleichschalten und Bewährtes zerstören“ wolle. Der Maskulinistenverein Agens e. V. behauptet gar eine „Staatsideologie unter dem Deckmantel von ‚Gleichstellung‘ von Mann und Frau“ und eine „feministisch orientierte und verordnete Sprachverunstaltung, die unser Denken demgemäß prägen soll“.

Natürlich ist es der privilegierte Status quo, den die Herren von CitizenGo und Damen wie Birgit Kelle nicht abgeben wollen, doch machten sie mal ihre Äuglein auf, so stellten sie fest, dass dieser Land auf, Land ab nicht gefährdet ist.

Trotzdem sprechen die Zeiten eine andere Sprache, aber wer den Patriarch*innenduktus allzu sehr vermisst, kann ihn ja im Duden von 1939 nachlesen. Der dürfte die Sprache eines Totalitarismus sprechen, der diesen Namen auch verdient. Nichts für ungut, Herr Höcke.

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