Lade Inhalte...

CSU Markus Söder im Phantasialand

Der bayerische Ministerpräsident Söder will mit einer Parallelbildung eine Parallelgesellschaft verhindern. Hat er sich die Idee bei der AfD abgeschaut? Die Klaviatur der Wutbürger beherrscht er perfekt. Die Kolumne.

CSU
Markus Söder pflegt deutsche Traditionen und Werte. Diese müssen Zugewanderte erst noch erlernen. Foto: dpa

Pünktlich zum ersten warmen Frühlingswochenende hat Markus Söder (CSU) ordentlich einen rausgehauen. In einem Interview mit der „Bild am Sonntag“ macht sich der bayerische Ministerpräsident Gedanken über deutsche Werte und Erziehung – genauer gesagt über die Bildung von Migrantenkindern.

Die sollen künftig in der Grundschule in ganztägigen „Deutschklassen“ unterrichtet werden: „Dort wird Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien intensiv Deutsch vermittelt, aber gleichzeitig auch Wertekunde. (…) Nur diejenigen Schüler kommen in den Regelunterricht, die unsere Sprache sprechen und unsere Werte verstehen.“ Bayern sei „christlich-abendländisch geprägt mit jüdischen und humanistischen Wurzeln“ und jeder habe sich „unseren Sitten und Gebräuchen“ anzupassen, „und nicht umgekehrt“.

Mit Israelfahnen bei Pegida-Aufmärschen

Dass Söder die Klaviatur des Wutbürgers bedient, in dessen Orchester er hervorragend mitzuspielen vermag, kann man ihm nicht absprechen. „Unsere Werte“ haben sie gefälligst zu beherrschen, bevor sie neben Gretel und Hans auf der Schulbank sitzen dürfen. Letztere haben das christliche Abendland nämlich durch die Muttermilch verinnerlicht, tolerant bezüglich Religionsfreiheit und „geprägt mit jüdischen und humanistischen Wurzeln“.

Wobei sich der Herr Ministerpräsident hier recht weit aus dem Fenster lehnt, hatte sich das deutschsprachige Abendland zuletzt nicht gerade seinen jüdischen Wurzeln zugewandt gezeigt. Vielmehr scheint es, als sei das Judentum der politischen Rechten nur dann genehm, wenn es sich gegen den Islam in Stellung zu bringen gilt, wie Israelfahnen bei Pegida-Aufmärschen belegen.

CSU spielt ihren Part als Ersatz-AfD

Denn auf muslimische Schüler dürfte die Ausgrenzungspädogogik aus der CSU-Ecke doch abzielen. Welches Phantasialand hat ein Söder im Kopf, wenn er von einseitiger Wertevermittlung schwadroniert, ganz so, als könnten die achtjährigen Bayern am Platz an der Sonne diese aus dem Effeff?

Vor allem: Wie soll der Wertekanon in einer Grundschule aussehen, der den Prüfling von Klasse 2z-Einwanderer in die 2a-Biodeutsch aufsteigen lässt? Man darf Frauen nicht an die Brüste fassen? Homosexuelle haben die gleichen Rechte wie Heterosexuelle? Wer sagt mir, dass der Sohn vom Walther das auch alles weiß? Und ist es nicht eher so, dass gerade Kinder am besten mit- und voneinander lernen, welches Verhalten in einem sozialen Zusammenhang funktioniert, und dass Ausgrenzung das Gegenteil von dem schafft, was gemeinhin als Integrationsziel behauptet wird?

„Viele Menschen sind verunsichert“, weiß Söder und dürfte seine Partei aufgrund ihrer schlechten Ergebnisse bei der Bundestagswahl mitgemeint haben. Die Gaulands sitzen ihm im Nacken, und es klingt beinahe verzweifelt, wenn er von der AfD als „keiner Ersatzunion“ jammert.

Richtig, die CSU spielt ihren Part als Ersatz-AfD hingegen gar nicht schlecht, denn ausgerechnet mit desintegrativen Maßnahmen von Grundschulkindern auf eine vermeintliche Volksverunsicherung unter dem Label der deutschen Wertearbeit zu reagieren – das hätten die Damen und Herren in Blau nicht besser hinbekommen.

Doch mit Ängsten macht man derzeit am erfolgreichsten Politik, wird sich Söder gedacht haben, weshalb er das Verhindern „beginnender Parallelgesellschaften“ mit auf die Agenda setzt. Jetzt sollte ihm nur noch einer erklären, dass das nicht funktioniert, indem man selbige bereits in der Grundschule herstellt.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen