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Charlottesville Trump hat den Hass wachsen lassen

Charlottesville in Virginia: Die Jahre des ungezügelten Hasses zeigen Wirkung. David Duke gehört zu denen, die hart daran gearbeitet haben. Und Donald Trump schweigt. Die Kolumne.

USA
Demonstranten protestieren gegen rechten Terror. Foto: dpa

Vor einigen Jahren hielt sich der amerikanische Rechtsextremist David Duke in Europa versteckt. Als wir ihn in Österreich aufspürten, um ihm einige Fragen über seine Tätigkeit beim Klu-Klux-Klan zu stellen, zeigte er sich ängstlich und verhuscht. Dass wir ihn in seinem Versteck gefunden hatten, bekräftigte seine Paranoia. Sein Gesicht war seltsam rot und glatt, er sah aus, als hätte er eine Schönheits-OP hinter sich. Die Situation, in der wir ihn überraschten – er kam mit Pantoffeln und Schlabberhosen die Treppe herunter – war ohne Würde.

Tätigkeiten beim Klu-Klux-Klan

Das Unwürdige entstand jedoch nicht dadurch, dass wir da einen Mann ganz privat vor uns hatten, sondern weil es David Duke war. Als das Symbol der rechten Rassisten in den USA schlechthin, verbreitet er auf seiner Plattform Altermedia seit vielen Jahren bösartigen Rassismus und unstillbaren Judenhass. Dieser Kontrast verwandelte die Menschlichkeit des Augenblicks in etwas erschreckend Skurriles. Da stand er in seinen Pantoffeln, der bekennende Rassist und Antisemit und schaute ratlos auf unsere Visitenkarten. Ausgerechnet zwei jüdischen Journalisten war es gelungen, ihn zu finden.

Charlottesville in Virginia. Die vereinte Rechte der USA trifft sich. Sie unterstützt Trump und marschiert mit rechtsextremen Paramilitärs durch die Stadt, wo sie dieses Wochenende an einem großen Treffen von Alt-Right-Bewegung, KKK, US-Nazis und von Putin-Russland gehätschelten ausländischen Rechtsextremisten teilnehmen. Sie ist prorussisch, antiliberal, rassistisch, antimuslimisch, antisemitisch, demokratieverachtend, homophob, paramilitärisch strukturiert und gedrillt – und bis an die Zähne bewaffnet.

Trump-Unterstützer marschieren mit rechten Paramilitärs

Nach Ausschreitungen militanter Rechtsextremisten fuhr einer dieser Nazis mit seinem Auto in eine Menschenmenge. Eine Frau starb, es gab viele Verletzte. Ein Anschlag, wie wir ihn von islamistischen Terroristen kennen. Genauso brutal, genauso vernichtend gemeint. Eben ein rechtsextremer Terroranschlag im Krieg gegen die Demokratie. Nicht mehr, nicht weniger.
Die Jahre des ungezügelten Hasses zeigen Wirkung. David Duke gehört zu denen, die hart daran gearbeitet haben, die Rechte zu vereinen. Die Zeit im europäischen Exil hat er genutzt, um Nazis zwischen Russland und Westeuropa zusammenzubringen. Dass Trump, der Putinbewunderer, Präsident werden konnte, hat er auch Leuten wie Duke zu verdanken.

Jetzt steht Duke in Charlottesville vor der entfesselten Rechten. Er begrüßt freundlich Bekannte in der Runde und sagt dann kühl und konzentriert zu den Reportern: „Das repräsentiert einen Wendepunkt für unsere Leute in diesem Land. Wir sind entschlossen, uns unser Land zurückzuholen. Wir werden die Versprechen von Donald Trump erfüllen. Das ist, an was wir glauben. Das ist, warum wir Donald Trump gewählt haben. Weil er gesagt hat, dass er uns unser Land zurückgibt.“

Und Donald Trump schweigt dazu.

Duke hat Hass gesät, Trump hat ihn wachsen lassen. Bei dem Pantoffelhelden David Duke mit seinem künstlichen Babydoll-Gesicht sind Masken eigentlich überflüssig. Der Fratze des Hasses helfen keine Faceliftings.

Die Folgen zeigen sich im Terror von Charlottesville. Mein Mitgefühl gilt den Toten und Verletzten. Hass ist kein Spiel.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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