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Cannabis-Legalisierung Wundermittel Cannabis

Das Hanfprodukt erfreut so manchen und hilft auch Kranken. Doch US-Präsident Trump ist ein erklärter Marihuana-Verächter. Die Kolumne.

Cannabis
Die Cannabis-Legalisierung sorgt noch immer große Diskussionen. Foto: dpa

Nur mal dran gezogen, aber nicht inhaliert? Richtig, das war Bill Clinton, der einzige US-Präsident, der zugab, mal in jungen Jahren einen Joint zwischen die Lippen gesteckt zu haben. Donald Trump legt da strengere Maßstäbe an. Obwohl man sich fragt, woran er sich wohl berauscht, so oft wie er alles nur großartig findet. Nein, im Ernst. Trump ist ein erklärter Marihuana-Verächter. In dieser Hinsicht ist er Ideologe, kein Populist. Schließlich sind über sechzig Prozent der US-Bürger laut jüngerer Umfragen für eine Cannabis-Legalisierung.

Ob das mit seinem Wahlsieg zusammenhängt? So ganz mag es kein Zufall gewesen sein, dass ausgerechnet an jenem schicksalhaften Tag im November 2016, als Trump zum mächtigsten Mann der Welt gekürt wurde, in Kalifornien die Volksabstimmung über eine Cannabis-Freigabe durchkam. Seit Januar wird an der Westküste in lizensierten Läden „Gras“ zum Verkauf angeboten. Acht weitere US-Staaten lassen ebenfalls das Kraut mit dem anrüchigen Duft als Genussmittel zu, was Trump allerdings gar nicht gefällt.

Auch die medizinische Nutzung von Hanfprodukten ist ihm nicht geheuer. Bei deren Entwicklung haben gerade die Israelis, engste US-Verbündete, die Nase weltweit vorn. In ersten klinischen Studien haben sie den positiven Effekt von Cannabidiol – jener Komponente, die anders als der THC-Gehalt der Pflanze, nicht high macht – bereits nachgewiesen, etwa um die Begleitbeschwerden der Chemotherapie zu lindern. Aber die ärztlich attestierten Befunde scheinen den US-Präsidenten so wenig zu interessieren wie die globale Erderwärmung.

Jedenfalls hat Trump die israelischen Pläne vorerst vermasselt, medizinisches Cannabis im großen Stil, etwa für den europäischen Markt, zu exportieren. Offenbar reichte ein Anruf aus dem Weißen Haus bei Premier Benjamin Netanjahu, um das potenzielle Milliardengeschäft auf Eis zu legen. „Bibi“, wie Israels Regierungschef genannt wird, legt höchsten Wert darauf, dass zwischen ihn und seinen Freund Donald kein Blatt passt. Erst recht kein siebenfach gefächertes, wie man es von „Legalize it!“-Aufklebern kennt.

Die schlechte Nachricht betrifft auch deutsche Patienten. Es besteht wenig Hoffnung, dass der dramatische Engpass in der Versorgung mit verschreibungspflichtigem Marihuana (der Bedarf übersteigt den Vorrat nach Auskunft der Krankenkassen derzeit ums Dreifache) demnächst dank Lieferung aus den sonnenverwöhnten Hanfplantagen in Israel überwunden wird.

Die gute Nachricht lautet: Das letzte Wort ist nicht gesprochen. Zumal die israelische pro-Cannabis-Lobby von links bis rechts reicht. Selbst Agrarminister Uri Ariel, ein eingefleischter Siedler-Mäzen, ist für die Ausfuhrfreigabe.

Schade nur, dass das Wundermittel, das sogar bei Epilepsie und Depression helfen soll, nicht auch den Haarwuchs stimuliert. Sonst wäre vielleicht Trump dafür zu gewinnen, sich mal eine Tüte reinzuziehen. Zum Erhalt seiner goldgelben Haarpracht soll er ja schon riskantere Substanzen geschluckt haben.

Ich will nun nicht gleich a la John Lennon das Kiffen als Beitrag zum Weltfrieden ausgeben. Aber so langsam sollte sich das allgemeine Bewusstsein insoweit erweitert haben, dass das Kraut, das wohldosiert manch Gesunden erfreut, in medizinisch standardisierter Form auch die Lebensqualität von Schwerstkranken heben kann.

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